Meinung | Kolumnen | Knecht
05.12.2011

Jetzt erst Knecht: Gemma ins Wirtshaus

Facebook ist wie ein virtuelles Beisl. Und genau das hat der Kanzler nicht verstanden.

Facebooken: Das ist wie ins Wirtshaus gehen, sich an einen Tisch setzen, sich umhören, schauen, wer sich dazusetzt, sich selbst wo dazusetzen. Wie im Wirtshaus werden auch auf Facebook Stammtisch-Themen debattiert, rennt der Schmäh, erzählt man auch einmal etwas Privates. Das macht den Charme dieses virtuellen Beisls aus. Was es nicht hat: eine große Bühne, auf der sich Einzelne produzieren sollen. Und genau das hat der Kanzler nicht verstanden. Er hatte gehört, man könne auf Facebook Freunde und Sympathie gewinnen, verwechselte es aber mit einer Wahlkampfveranstaltung. Er marschierte mit großem Gefolge ein, wedelte mit Geldbündeln, besetzte mit seinen Getreuen einen Tisch und ließ die, anstatt erst mal ein bisschen nach rechts und links zu lauschen und zu plaudern, lautstark Botschaften verkündigen.

Das kam, no na, in dem Wirtshaus nicht so gut an, die einen wollten nicht zuhören, die anderen redeten dagegen, Dritte machten sich hörbar lustig. Also ließ der Kanzler ein paar Claqueure an die umliegenden Tische setzen und applaudieren. Die wurden leider von den kundigen Stammgästen schnell enttarnt. Dass ein Unbekannter eine ganze Horde Fremder, darunter etliche Maskierte aus dem Sex-Milieu, bezahlte und sie zur Unterstützung an des Kanzlers Tisch schickte, wurde von den anderen Gästen mit Hohn und Spott bedacht, und des Kanzlers Gefolge hat nun Mühe, die wieder von seinem Tisch zu vertreiben. Natürlich verbreitete sich die Kunde von den falschen Freunden des Kanzlers schnell auch außerhalb des Wirtshauses, worauf auch andere auf die Idee kamen, dessen Unterstützer zu untersuchen, und siehe da. Wir lernen: So macht man sich keine Freunde; in keinem Wirtshaus der Welt.