Jetzt erst Knecht: Der sah ganz harmlos aus

Wohlsituierter Herr geht mit Leine und Hund auf Passanten los und lässt den dann blutend liegen.

V ergangenen Donnerstag ist Oliver L. mit seinem Rad auf dem neu angelegten Radstreifen am Ring unterwegs, zwischen Operngasse und Babenbergerstraße. Einem Mann, der offenbar öfter dort mit seinem Hund spazieren geht, dürfte die Neo-Existenz dieses Radwegs bis dahin nicht bewusst geworden sein, jedenfalls brüllt er Oliver L. an, das sei kein Rad-, sondern ein Fußweg. Oliver L. entgegnet dem Mann, er irre sich, worauf dieser nicht weiterdiskutieren will, sondern ersatzweise mit der Hundeleine gegen L. ausholt, L. nicht trifft, aber sein Rücklicht vom Rad fetzt. L. steigt ab, um das Licht aufzuheben. Er lehnt sein Rad an einen Verteilerkasten, worauf der Mann erneut mit der Leine auf ihn losgeht. L. will ihn abwehren, worauf der Hund des Mannes, ein Weimaraner, ihn in den Oberschenkel beißt. Oliver L. schreit, der Hund lässt ab, sein Besitzer geht weiter. Ein Zeuge versucht den Notruf zu erreichen und geht mit L. dem davonmarschierenden Mann hinterher. Als der ihn mit dem Handy fotografieren will, provoziert das den Herrn zu weiterem Gebrüll - und einer neuerlichen Attacke mit der Leine. L.s Handy fällt zu Boden, er greift danach, der Hund verbeißt sich in L.s linken Unterschenkel. Schließlich ruft der Mann seinen Hund und geht davon. Bevor die von mittlerweile mehreren Zeugen alarmierte Polizei eintrifft und L. mit einer blutenden Bisswunde ins AKH bringt, kann L. noch ein weiteres Foto machen. Die Bilder zeigen: einen wohlsituierten, gepflegten Herrn Mitte 50, kurzes graues Haar, schwarze Designer-Brille, gebügeltes weißes Hemd, schmaler, gut geschnittener blauer Anzug. Einen rundum ordentlichen Bürger also. Der gerne mal mit Leine und Hund auf Passanten losgeht und die dann blutend liegen lässt. Spooky.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011