Autobahnen selber bauen

Asylwerber dürfen nicht arbeiten – außer als Saisonarbeiter in Landwirtschaft und Tourismus. Und als Prostituierte.

Am Mittwoch haben die Flüchtlinge in der Votivkirche ihren Hungerstreik unterbrochen: zur Erleichterung all jener, die in Sorge um die geschwächten Männer waren. Und ein paar Tage zuvor schenkte ihnen der Polizist Uwe Sailer den ihm verliehenen „Ute-Bock-Preis für Zivilcourage“ – und sie spendeten die 3000 Euro prompt an die Caritas weiter: für Menschen in Not in Österreich.

Das nur zur Info für all jene, die der Meinung sind, diese Asylwerber hätten keine Unterstützung und schon gar kein Mitleid verdient. Denn erstaunlich viele Menschen haben in Mails die Meinung kundgetan, dass Menschenrechte nicht für alle Menschen zu gelten brauchen. Asylwerber haben demnach weniger Recht auf menschenwürdige Behandlung, weil selber schuld, sie hätten ja nicht herkommen brauchen.

Zahlreiche Mails enthielten die Forderung, jene ÖsterreicherInnen, die von der Politik menschenwürdigen Umgang mit Asylwerbern fordern, sollten diese Flüchtlinge doch selber bei sich zu Hause aufnehmen. Dieser Vorschlag ist genauso grotesk wie die Idee, dass jeder, der auf einer Autobahn fahren will, diese mit seinen eigenen Händen in die Landschaft pickeln muss. Für derlei zahlen wir reichlich Steuern, für die wir nicht nur Straßen, ein Bildungssystem und Eurofighter erwarten dürfen, sondern auch, dass alle Menschen in diesem Land, egal aus welchen Gründen und mit welchem Recht sie hier sind, mit Respekt und Würde behandelt werden.

Nichts Maßloses wird gefordert: menschenwürdige Unterkünfte, schnelle, faire Asylverfahren und das Recht, während deren Dauer für den eigenen Unterhalt zu sorgen. Die Innenministerin sagte am Mittwoch, sie sehe keinen Anlass, den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern. Das heißt: Asylwerber dürfen nicht arbeiten – außer als Saisonarbeiter in Landwirtschaft und Tourismus. Und als Prostituierte. Mit dieser Regelung sei Österreich „vorbildhaft“ im internationalen Vergleich, sagte Mikl-Leitner. Ah. Ach so.

(kurier) Erstellt am
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