Jetzt erst Knecht: Aufgegeben wird nicht
Meinung Kolumnen Knecht
12/05/2011

Jetzt erst Knecht: Aufgegeben wird nicht

Widerstand regt sich, auf vielen Ebenen. Menschen gehen wieder auf die Straße, streiken, wehren sich auch gegen Post-Schließungen.

von Doris Knecht

Man hat sich zu lang zu viel gefallen lassen, damit es allen besser gehe, und jetzt wird immer deutlicher, dass es einigen viel besser geht und allen anderen gar nicht. Weil überall gespart wird, und zuerst immer bei denen, die sich nicht wehren. Aber von denen wehren sich jetzt manche, zum Beispiel, wenn man ihnen die Infrastruktur zerstört. Denn auf der einen Seite wird von der Gemeinde und von Kaufleuten viel in die Belebung einzelner Stadtviertel investiert: in den Karmelitermarkt zum Beispiel. Der praktisch wöchentlich vielfältiger wird und um den herum wie verrückt Wohnungen gebaut und saniert werden. Auf der anderen Seite sperrt dort bald die einzige Postfiliale weit und breit zu, das Postamt Karmelitermarkt Ecke Krummbaumgasse. Nein, falsch: Sie wird, wie 50 weitere Filialen in Wien, zugesperrt, von ULP. Weil ULP findet: Braucht's nimmer, kostet nur, sollen die Leute, auch die Senioren, doch woanders hingehen, weiter weg, egal. Damit finden sich die meisten ULP-Kunden mit Murren ab - nicht die in der Leopoldstadt. Die Schlangen-Apotheke am Karmelitermarkt hat schon 600 Unterschriften gegen die Schließung der Postfiliale gesammelt, und es werden täglich mehr. Und man will nicht aufgeben, obwohl die Leiterin Monika Lynton-Evans nach vielen Anrufsversuchen endlich an jemanden Zuständigen gelangte, welcher ihr mitteilte: "Die Sache ist gegessen, da kann man Unterschriften sammeln, soviel man will." Das sei für sie, als im Gesundheitsbereich tätige Demokratin, sagt Frau Lyton-Evans, "wirklich eine inakzeptable Einstellung". Widerstand regt sich, da und dort.