Meinung | Kolumnen | Knecht
01.03.2015

Jede so, wie sie es will

Niemand hat Krebspatientinnen – allen Frauen – irgendwelche Vorschriften zu machen.

Doris Knecht | über kahlrasierte Schädel

Noch eins zum Thema weibliche Stereotypen, denn erneut gab es darauf Reaktionen. Speziell zu der Bemerkung zum kahlrasierten Schädel, mit dem Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser letzte Woche an die Öffentlichkeit trat, was hier mit Respekt als mutig, ehrlich und progressiv gewürdigt wurde.

Dazu kam ein Mail von Leser F. L., in dem er dazu Dinge sagt, die ich nicht wiedergeben möchte, weil ich sie für mitleidlos und verletzend halte. Nur so viel: Er widerspricht entschieden. Abdrucken möchte ich dagegen die Zeilen von Leserin R. H., und zwar alle: "Auch ich hatte (vor 6 Jahren) Krebs (Brustkrebs) – Operation, Chemotherapie, Bestrahlungen", schreibt sie. "Auch mir gingen bereits nach der ersten Chemo die Haare aus. Auch ich trug in der Öffentlichkeit mehrere Monate lang eine Perücke oder eine andere Kopfbedeckung, aber nicht, weil ich mich für meine Haarlosigkeit geniert hätte, sondern weil mir am Kopf entweder kalt war oder weil ich im Sommer keinen Sonnenbrand auf der Kopfhaut riskieren wollte."

Erstens hoffen wir, dass Frau H. wieder ganz gesund ist. Zweitens hat sie natürlich Recht: Niemand hat Krebspatientinnen – allen Frauen – irgendwelche Vorschriften zu machen, wie und ob sie ihre Häupter, haarlos oder nicht, zu bekleiden haben. Das war natürlich auch überhaupt nicht die Absicht meiner Worte. Die Gesundheitsministerin selbst sagte dem KURIER, sie habe sich an die Serie "Sex and the City" erinnert. In der 2003 ausgestrahlten 6. Staffel erkrankt eine der Protagonistinnen an Krebs, reißt sich schließlich während eines Vortrages die Perücke vom Kopf und löst damit im Publikum eine Kettenreaktion aus: offenbar eine, die bis heute und bis ins echte Leben hineinwirkt. "Und im übrigen, Frau Minister", schreibt Frau H., "Sie müssen niemandem etwas beweisen! Schonen Sie sich, dann finden Sie nach der Behandlung rasch wieder zu Ihrer alten Kraft und Stärke zurück! In diesem Sinne alles Gute und beste Wünsche!" Wir schließen uns an.