Fakten gegen diffuse Angst

Das Flüchtlingsthema bewegt nicht nur die politische Landschaft und die Medien, sondern auch die Journalistinnen und Journalisten als solche. Es ist schwer, objektiv zu bleiben, wenn man Mütter und ihre kleinen Kinder auf dem Boden schlafen sieht, vor Erstaufnahmezentren und in Bahnhöfen: Man entwickelt dazu eine persönliche Position, ob man will oder nicht. Das geht, wie die Leserschaft weiß, auch der Autorin und den Kollegen und KollegInnen vom KURIER so: Neutral zu bleiben, war und ist angesichts dieser Situation kaum möglich. Und abgesehen davon, dass sich viele meiner KollegInnen neben ihrer Arbeit auch ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren oder sogar Flüchtlingsfamilien bei sich aufnehmen, spiegelt sich das auch in den Medien wieder.

Simon Hadler von ORF-online fiel mit seinen engagierten Reportagen aus Traiskirchen und dem Flüchtlingslager Saatari in Jordanien auf. Und damit, dass er Behauptungen über Flucht und Flüchtlinge radikal hinterfragte, nachrecherchierte und die richtigen Antworten fand. Tausende Male geteilt: Seine Reportage über "Facebook-Mythen und Asyl-Realität", in der Hadler die beliebtesten Anti-Asyl-Facebook-Memes zerlegte.

Seine gesammelten, höchst aktuellen Recherchen zu Flucht und Asyl gibt es in einem eBook zusammengefasst: "Die Angst vor dem ‚Ansturm‘". Das Buch zeichnet genau nach, welche Gründe die Menschen für ihre Flucht haben, wie diese Flucht aussieht und was sie bei ihrer Ankunft in Österreich erwartet. Es ist eine in diesen unübersichtlichen Tagen fakten- und lehrreiche, ordnende und oft schmerzhafte Lektüre: Denn Hadler ist in seinen Berichten schonungslos sachlich und überaus präzise, aber auch auf Augenhöhe mit den Menschen, über die er berichtet.

Verlässliche Fakten gegen diffuse Angst: Aufklärung, wie man sie in diesen Zeiten braucht.

Simon Hadler: Die Angst vor dem "Ansturm". Download auf der Website der Hanser Literaturverlage / Hanser Box.

(kurier) Erstellt am
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