über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk
06/13/2013

Dunkle Bildschirme, rauschende Radios

von Doris Knecht

Nicht vorstellbar: den Fernseher einzuschalten, und es wäre plötzlich kein ORF mehr da

Doris Knecht | über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Die Idee, dass mitten in Europa, mitten in der EU ein demokratisches Land einfach so seinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk abdrehen könnte, war bis Mittwoch absurd. Eigentlich undenkbar. Dann stellte Griechenland seinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein, einfach so, von heute auf morgen. Legte den Hauptsendemast still, machte das Licht aus, schloss die Funkhäuser, schickte 2900 Angestellte heim. Schwarze Bildschirme, sinnlos rauschende Radios. Kein Bild mehr, kein Ton. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk einfach ausgeschaltet: weg, tot. Es ist, mitten in Europa, einfach so passiert. Und noch immer nicht vorstellbar.

Nicht vorstellbar: den Fernseher einzuschalten, und es wäre plötzlich kein ORF mehr da, nichts, nicht einmal das Wetterpanorama. Nicht vorstellbar: ein Radioapparat ohne Ö1, ohne Ö3 und ohne FM4, ohne Radio Burgenland, Radio Niederösterreich, ohne all die anderen Regionalsender. Keine FM4-Morning-Show mehr, kein Ö3-Wecker, kein Leporello.

Nicht vorstellbar: ein verlassener Küniglberg, leere Newsrooms, verwaiste Studios, dunkle Regieplätze. Die SOKO-Sets von Kitzbühel bis Donau, das Set des neuen „Schnell ermittelt“-Films: verlassen. Die Korrespondenten von Kairo bis Washington: arbeitslos, wie alle anderen knapp 3000 ORF-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter, Adrowitzer und Assinger, Bellowitsch und Bernhard, El-Gawhary und Engstler, Karlich und Kratky, Rafreider und Rett, Weichselbraun und Wolf. Der Portier, der GIS-Kassier, die Kantinen-Köchin, die Tontechnikerin, der Kameramann, die Redaktionen von orf.at und der Nachlese, die Tatort-KommissarInnen: alle auf Jobsuche. Nicht mehr on air: Andi & Alex, Grissemann & Stermann, Millionenshow & Musikantenstadl. Keine ZiBs mehr. Ende Bildungsauftrag.

Man schimpft viel über den ORF. Meistens zu Recht. Aber die Idee, dass es ihn morgen nicht mehr geben könnte, ist wirklich zutiefst erschreckend. Griechenland erlebt gerade, dass es möglich ist. Es ist beängstigend.

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