über die Omisierung Österreichs
10/25/2013

Die Omisierung Österreichs

von Doris Knecht

Die 'Oma-leicht'-Schelte stieß auf Widerhall.

Doris Knecht | über die Omisierung Österreichs

Die „Oma-leicht“-Schelte, die vorgestern hier vorgebracht wurde, stieß auf Widerhall. Zahlreiche Leserinnen und Leser fühlten sich angesprochen: das sei ihr „aus der Seele geschrieben“, schreibt Gertraud K. Leser Ferdinand R. meint, er habe es satt, dass Männer und Frauen über 60 von Medien und Werbung „pauschal als Oma und Opa tituliert“ würden. Besonders in den Gratiszeitungen falle ihm diese Unsitte auf: „Oma verjagt Trafik-Räuber“ und dergleichen; er finde das, meint Herr R., „respektlos“. Auch Anneliese L., Maria G., Franz H. und Rudolf F. stoßen sich an der gnadenlosen Omi- und Opisierung aller älteren Menschen.

Leserin Dr. Gabi A. machte die Kolumne schmunzeln, und sie trägt selber Schmunzelwürdiges bei. Nein, eigentlich eher Lachhaftes.

Frau Dr. A. ist nämlich Ärztin, 52 Jahre alt, sie steht voll im Berufsleben. Sie hat eine zwölfjährige Tochter und einen erwachsenen Sohn, der sie zwar schon zur Oma machen könnte, sie denke allerdings „keineswegs daran, mich zur älteren Generation zählen zu lassen“.

Das hilft ihr aber nichts. Denn seit ihrem 50. Lebensjahr bekommt sie vom österreichischen Pensionistenverband konsequent dessen Zeitschrift zugesandt. Und zwar doppelt. Frau Dr. A. rief dort an und bat, von weiteren Zusendungen Abstand zu nehmen: Erstens „zähle ich mich nicht zur Zielgruppe, zweitens schade ums Geld“. Die nette Dame am anderen Ende der Leitung habe alles aufgenommen: Mit dem Ergebnis, dass Dr. A. nun jeweils drei Exemplare zugeschickt bekommt.

Dass man hierzulande ab 50 praktisch als Pensionist geführt wird: Das ist reichlich bizarr, besonders angesichts der Tatsache, dass die durchschnittliche Lebenserwartung der österreichischen Männer bei 78,3 Jahren liegt, während Frauen sogar durchschnittlich schon 83,9 Jahre alt werden. Aber ab acht Jährchen über der statistischen Lebensmitte gelten Frauen hierzulande als alt. Das ist, wenn man die 50-Jährigen von heute kennt: einfach lächerlich.

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