Meinung | Kolumnen | Knecht
27.12.2012

Asylwerber sind keine Kriminellen

Etwas an der verfahrenen Situation ändern kann nur die Politik.

Doris Knecht | über die Asylwerber in der Votivkirche

Die Situation im Flüchtlingscamp im Votivpark wird immer unübersichtlicher. Zirka 70 Flüchtlinge campieren dort seit Wochen, um die 30 haben auch die letzte Nacht wieder in der Votivkirche verbracht, 14 von ihnen befinden sich seit mittlerweile sechs Tagen im Hungerstreik. Sie alle wollen auf ihre Situation aufmerksam machen – und auf die aller Asylwerber in Österreich.

Die Caritas ist 24 Stunden am Tag vor Ort und versucht, Seite an Seite mit den Schutz suchenden Flüchtlingen, zu helfen, zu vermitteln und, wenn nötig, zu deeskalieren. Denn einerseits treffe man auf viel Solidarität von Wienerinnen und Wienern, die von der Not der Flüchtlinge gehört haben und nun kommen, um zuzuhören und wo möglich zu helfen. Andererseits auf eine Handvoll sog. Aktivisten, die die Flüchtlinge für eigene Zwecke benutzen. Und auf einen überforderten Pfarrer.

Etwas an der verfahrenen Situation ändern kann nur die Politik. Denn die Situation um die Votivkirche macht ein strukturelles Problem sichtbar: Dass es in Österreich für Asylsuchende keine menschenwürdigen Rahmenbedingungen gibt. Und die müssen dringend und schnell geschaffen werden.Es muss endlich rasche und faire Asylverfahren geben: Das ist im Sinne aller, auch dem der Flüchtlinge.Es muss unmöglich werden, Asylwerber in menschenunwürdigen Quartieren unterzubringen: Die Saualm wurde endlich gesperrt, aber nach wie vor gibt es Unterkünfte, in denen Asylwerber und ihre Familien unter schlimmsten Bedingungen vegetieren müssen.Und es muss endlich das Bewusstsein geschaffen werden, dass Flucht kein Verbrechen ist. Asylwerber sind keine Kriminellen: Die meisten von ihnen wollen arbeiten, etwas beitragen, aber ein Gesetz zwingt sie zu Untätigkeit und treibt sie in Verzweiflung und Depression.All das wollen die Flüchtlinge im Votivpark aufzeigen. Dafür verdienen sie unseren Respekt und unsere Unterstützung – und die der Politik.