Anders blau als Trakls Schwermut

Nicht zu empfehlen ist dieses Blau zur Einrichtung von Innenräumen

Doris Knecht | über blaue Enzos im MuQa

Die Enzos, ist den Medien zu entnehmen, werden heuer „tröpferlbadblau“. Das Volk durfte wie jedes Jahr über die Farbe der Outdoor-Sofas im Museumsquartier abstimmen, heuer zwischen „Havannarot“, „Volksmöbelorange“ und besagtem Blau, das die Wahl mit satten 44,31 Prozent für sich entscheiden konnte.

Wobei es sich, falls die Farbe korrekt übers Internet übermittelt wurde, eigentlich nicht um ein Tröpferlbadblau handelt, das, wenn die Erinnerung an die Zeiten in der Wohnung ohne Wasseranschluss nicht trügt, ein mit Wassertürkis, Wollflusengrau und etwas Zehennägelgelb verschmutztes Babyhellblau war. Und nicht ein annähernd yves-kleiniges, stolzes Königsblau, wie jenes, mit dem die Enzos, vormals Enzis, diesen Sommer den Innenhof des Museumsquartier verstrahlen werden.

Es ist ein schönes Blau, das man, deswegen wohl auch der satte Siegesvorsprung, heuer in vielen Outfits wiederfinden wird, auch, wie von Modeexperten empfohlen, von Kopf bis Fuß. Das ist gut, weil in diesem Blau ist man als Verkehrsteilnehmer nicht zu übersehen, das erhöht die Verkehrssicherheit, es sei denn, der Erblicker ist von der fast unheimlichen Strahlkraft dieses Blaus kurz geblendet und dadurch abgelenkt. Außerdem steht es fast jedem, es harmoniert mit jeder Haut- und Haarfarbe, höchstens, dass es das aktuelle Winterblass etwas hart kontrastiert. Nicht zu empfehlen ist dieses Blau zur Einrichtung von Innenräumen, es sei denn, es handelt sich um Nassräume (siehe Tröpferlbad): Es ist zu dominant, und, wie jedes andere Blau, strahlt es – wie schon in den Gedichten von Georg Trakl, wo „Schwermut blaut“ – Kälte aus, Traurigkeit und Zurückweisung. Keine nette Farbe, Blau: netter wäre Rot gewesen, und Orange, in seiner Feuerwärme, sowieso. Aber nett ist es sommers im Hof des Museumsquartiers sowieso, da darf dieses Blau ruhig ein bissl kontraleuchten, so wie das weiche, wolkenfluffige Blau des Frühlingshimmels dem harten Winterblau lang erhofftes Kontra gibt – und endlich Baba winkt.

Erstellt am 06.03.2013