über die Schere zwischen Arm & Reich
11/03/2014

Achtung – diesmal nix Lustiges!

von Dieter Chmelar

Damit Reiche nicht auf Arme treffen, werden vorsorglich separate Eingänge gebaut ...

Dieter Chmelar | über die Schere zwischen Arm & Reich

Wie sagte Nestroy (1801–1862) so bitter wie beklemmend? "Also, ich möchert nie wieder arm sein – net für viel Geld!" 150 Jahre nach dem Tod des, als g’spaßigen Jux-Aushecker verharmlosten gnadenlosen Chirurgen an der offenen österreichischen Seele klafft die Schere zwischen Arm & Reich weiter auseinander denn je. Hier und heute.

"Schere" heißt es deshalb, weil es niemanden "schert". So beklagt Caritas-Gewissen Franz Küberl zu Recht das "fast vollkommene Schweigen der Elite". 434.000 Menschen dieses Landes sind "manifest arm" (= es fehlt das Geld für Essen, Heizen, Kleidung und Arztbesuche), insgesamt 1,2 Millionen sind "armutsgefährdet".

Jeder Siebente also ... Zählen wir doch einmal durch: 1, 2, 3, 4, 5, 6, schmecks.

Gegen diese soziale Kälte richtet nicht einmal die Erderwärmung was aus.

Das liegt, so der deutsche Kulturpessimist Richard David Precht, an der deprimierenden Erkenntnis: "Der kategorische Komparativ ist dem Menschen angeboren, der Kategorische Imperativ nicht."

Selbstsucht statt Solidarität, Konsumkannibalismus statt Kant. Sprich, wir leben nach dem "Prinzip": "Was ich nicht will, das man mir tu, das füg ich halt dem andern zu." Mitgefühl ist feige Schwäche.

Achtung! Aus New York hören wir Erbauliches. Dort dürfen neue Luxustürme nur unter der Auflage entstehen, dass sich darin auch Sozialwohnungen befinden.

Doch, Nestroy, schau oba: Damit Reiche nicht auf Arme treffen, werden vorsorglich separate Eingänge gebaut ...

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