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22.01.2012

Im Bild: Das Hochamt

Kitzbühel. Hier feiert der Skisport, aus dem Österreich Sinn und Identität bezieht, sein Hochamt.

W as werden sich Archäologen denken, wenn sie in ungefähr 1000 Jahren auf einer Expedition in die tropischen Regenwaldberge Mitteleuropas die Ruinen von Hunderten Liftanlagen finden, die kreuz und quer, anscheinend ohne Sinn, über die Berge führen? So, wie Archäologen nun einmal denken, werden sie dahinter gigantische kultische Anlagen vermuten. Oder einen überdimensionalen Kalender. Oder eine Landebahn für die Außerirdischen. Auf die Wahrheit werden sie nie kommen: Einen so jenseitigen Aufwand sollen Menschen früher getrieben haben, nur um sich auf den Berg hinaufziehen zu lassen und ihn anschließend wieder hinunterzurutschen, inklusive Hüttengaudi mit Anfassen dazwischen?

Kitzbühel. Hier feiert der Skisport, aus dem Österreich Sinn und Identität bezieht, sein Hochamt. Wobei es interessanterweise völlig wurscht ist, ob das Rennen tatsächlich stattfindet oder bis zur Unkenntlichkeit verkürzt oder auch gar nicht. Der ORF übertrug angemessen ehrfürchtig, Oliver Polzer erlaubte sich sogar die eine oder andere subtile Wuchtel. Dass der großartige Didier Cuche den Österreichern den Sieg mopste, war eine schöne Pointe.