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10.04.2017

Die Blendung

I hab a Geld braucht!

Peter Pisa | über Clown und Leiter

Der Wiener Musiker und Maler Karl Hodina war auch ein hervorragender Erzähler, und als er kürzlich zu Grabe getragen wurde, erinnerte man sich vielleicht an einen denkwürdigen Abend im ORF, als er von einem Clown und einer Leiter sprach. Nein? Es war in den 1950er-Jahren. Hodina war 18 und bereits gut auf der Harmonika, als ihn jemand fragte, ob er ihn bei einem Auftritt in St.Pölten musikalisch begleiten würde. Er müsse den Csárdás von Vittorio Monti spielen. Hodina war einverstanden. Auf der Bühne setzte er sich auf einen Schemel. Sonst war nur eine Leiter da. Er spielte. Der Clown erschien. Er stieg langsam auf die Leiter, und noch langsamer stieg er auf der anderen Seite herunter. Das war’s. Das Publikum schrie: „Schleicht’s euch, es Gfraster!“ Der Clown und der verdatterte Musikant flüchteten. Später, in Sicherheit, fragte Hodina: „Oida, was hast dir denn dabei gedacht?“ „I hab a Geld braucht!“ Die Blender waren damals sympathischer.