Meinung | Kolumnen | Gut kombiniert
05.02.2018

Zurück zu einem vernünftigen Maß

Befremdlich, wenn Spiele nur mehr an solche Länder vergeben werden, in denen Infrastruktur und Wintersportkultur fehlen.

Mario Stecher | über IOC und Interessen

2014 Sotschi, 2018 Pyeongchang, 2022 Peking. Wenn mir vor 15 Jahren jemand gesagt hätte, dass dort Olympische Winterspiele stattfinden, hätte ich ihn wahrscheinlich für verrückt erklärt. Gerade für Athleten aus meiner Generation, die das große Glück hatten, die Winterspiele in Lillehammer (1994) und die Begeisterung der Norweger erleben zu dürfen, ist es befremdlich, wenn Spiele nur mehr an solche Länder vergeben werden, in denen die Infrastruktur fehlt und auch die Wintersportkultur nicht wirklich ausgeprägt ist.

Das Internationale Olympische Komitee braucht sich deshalb nicht zu wundern, dass es in der Öffentlichkeit ein großes Image- und Glaubwürdigkeitsproblem hat und in den letzten Jahren überall in Europa die Olympia-Abstimmungen negativ ausgegangen sind. Dass sündteure Spiele wie wir sie in Sotschi erlebt haben, nicht erstrebenswert sind, das weiß jeder. So ein großer Sportfan kann ich gar nicht sein, dass ich mich für solche Spiele begeistern könnte. Oder nehmen wir Peking: Da gibt es nicht einmal eine Abfahrtspiste, die lang genug ist.

Wirtschafts-Interessen

Natürlich ist mir klar, dass bei Olympia viele Interessen aufeinander prallen. Dass österreichische Skifirmen es durchaus begrüßen, wenn sich durch Olympia neue Skimärkte wie Russland, Korea oder China auftun, liegt auf der Hand. Wahrscheinlich ist es sogar so, dass es für das eine oder andere heimische Unternehmen sogar besser ist, wenn die Spiele nicht in Österreich stattfinden – weil wir ja schon die ganze moderne Sport-Infrastruktur haben und im Grunde jederzeit Olympische Spiele veranstalten könnten.

Ich finde es daher gut und positiv, dass sich Graz und Schladming jetzt auf dieses Thema stürzen und ernsthaft über eine Bewerbung für 2026 nachdenken. Österreich könnte da wirklich eine Gegenbewegung einleiten und Olympische Spiele wieder auf ein vernünftiges Maß zurückbringen. Ich glaube auch, dass Olympia dadurch wieder interessanter wird und wieder mehr Menschen anspricht, die sich in den letzten Jahren von dieser Veranstaltung abgewandt haben. Was soll denn sonst als nächstes kommen? Winterspiele in Katar vielleicht? Weil die sich das einbilden und dort Hallen und Schnee machen, koste es, was es wolle? Das kann und darf weder erstrebenswert noch die Zukunft von Olympia sein.

Was Pyeongchang betrifft hatte ich Bedenken. Vor allem wegen der politischen Situation. Umso mehr freut es mich, dass man nun wieder sehen kann, welche Kraft der Sport hat. Wie sehr der Sport die Menschen und Völker verbindet. Es war für mich immer schön zu beobachten, dass gerade unter den Athleten der Glaube oder die ethnische Herkunft keine Rolle spielen, sondern der Mensch im Mittelpunkt steht. Dass Nord- und Südkorea zumindest für den Zeitraum von Olympia einen Frieden schließen, dass es ein gemeinsames Team mit einer gemeinsamen Flagge gibt, das ist in meinen Augen der positivste Aspekt der Spiele in Pyeongchang.

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