über Großaufnahmen
07/16/2013

Zahn der Zeit

von Karl Hohenlohe

In der Malerei, dem Schauspiel, der Opernbühne ist vieles Symbolik.

Karl Hohenlohe | über Großaufnahmen

Als man sich nach einer Freiluftopernpremiere bei der berühmten Frau Tobisch-Labotyn erkundigte, wie es ihr denn gefallen habe, meinte sie, gut. Jedoch die riesigen Bildschirme, die das Geschehen zusätzlich unter die Besucher brachten, wären ihr irgendwie zuwider.

Man könne den Sängern in den Mund sehen, Plomben, etc, etc.

Es ist ein Zug der Zeit, dass man den Dingen auf den Grund geht, und wenn es der Grund der Mundhöhle ist.

Ich kann auch nicht hundertprozentig ausschließen, dass der zuständige Regisseur, Herr Robert Dornhelm, ganz beabsichtigt die Großaufnahmen favorisierte. In der Malerei, dem Schauspiel, der Opernbühne ist vieles Symbolik.

Ein fehlender Zahn beispielsweise, wird die Besucher auf das karge oder überhaupt fehlende Salär der Zahnlosen aufmerksam machen. Umgekehrt lässt ein Goldzahn im Mund der Sängerin auf Reichtum, Juwelen und einen riesigen Whirlpool schließen.

Die sprechenden Sänger aus den Vereinigten Staaten, die voll von satten Goldketten glänzen und Bizeps, Trizeps, als auch den Zwillinswadenmuskel vulgo Musculus gastrocnemius hervorheben, lassen sich gerne Diamanten in die Vorderzähne pflanzen.

Schweigen sie, glaubt man ein armer Hund, öffnen sie jedoch den Mund, blitzt und strahlt es und viele Amerikaner finden das toll. Als Frau Tobisch nun gegen die Großaufnahmen wetterte, tat sie es aus ästhetischen Gründen, die Botschaft hinter den Gaumenzäpfchen war ihr, ich glaube sogar, herzlich, egal.

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