über den Steinbruch
07/11/2015

Trockenübung

von Karl Hohenlohe

Hat man das Geschehen auf der Bühne jemals zuvor schon so eindrucksvoll gesehen, die Protagonisten, wenn sie lieben und hassen so intensiv erlebt?

Karl Hohenlohe | über den Steinbruch

Noch sind die riesigen Leinwände dunkel wie die Nacht. Es regnet nicht, es schüttet.

Premiere von "Tosca" im Steinbruch von St. Margarethen.

Die Prominenten unter ihren Pelerinen wissen noch nicht, ob sie sich in Geduld üben oder doch die Flucht antreten sollen. Mit jedem Tropfen mehr, der sich am Haaransatz vorbei in den Kragen schwindelt, werden sie sicherer. Nein, heute gibt es keine Premiere und die vielschichtige Bedeutung des Wortes Wasserkraft wird ihnen schmerzlich bewusst.

Dann ist der Entschluss gefasst, man hastet zum Auto, beutelt den Schirm aus und gibt auf. Als die Regenflüchtlinge auf Höhe der SCS sind, flackern in St. Margarethen die Bildschirme auf, die Premiere kann beginnen.

Hat man das Geschehen auf der Bühne jemals zuvor schon so eindrucksvoll gesehen, die Protagonisten, wenn sie lieben und hassen so intensiv erlebt?

Den Live-Kameras bleibt nichts verborgen. Auch nicht Alltägliches, wie ein hungriges Insekt, das sein singendes Abendessen gerade ins Visier nimmt, oder ein helles Spucketröpflein, das sich auf ein dunkles Gewand verirrt hat und aus Scham umgehend verschwindet.

Vereinzelt werden leise kritische Stimmen laut. Spektakel ja, aber hier hätte man den Bogen überspannt, man müsste Zurückhaltung üben.

Zurückhaltung ist in diesem Steinbruch fehl am Platz, er fordert Opulenz, Wucht und Größe. Oder wie es der Regisseur Robert Dornhelm formuliert hat: "Es war richtig nicht nur den Ton zu verstärken, sondern auch das Bild".

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