├╝ber voyeuristische Neigungen.
08/17/2013

Raum-Gleiter

von Karl Hohenlohe

In erster Linie w├╝nscht sich das Publikum Nachrichten aus dem Privatleben der oberen Zw├Âlftausend.

Karl Hohenlohe | ├╝ber voyeuristische Neigungen.

Auch Gesellschaftsredakteure stellen sich selbst und ihr ┼ĺuvre fallweise infrage.

Falls ├╝berhaupt, wozu sind wir gut, was will die Leserschaft von uns?

In erster Linie w├╝nscht sich das Publikum Nachrichten aus dem Privatleben der oberen Zw├Âlftausend.

Was fr├╝hst├╝cken sie, benebeln sie sich mit Chanel oder Spanisch Leder, k├╝ssen sie ausw├Ąrtig?

Allerh├Âchsten Genuss jedoch bietet der Blick durch das Schl├╝sselloch in jene R├Ąumlichkeiten, die sorgsam versperrt die Aussicht auf das Intimste verbieten.

Es ist nur den erfolgreichsten Chronisten des gesellschaftlichen Treibens geschenkt, diesen Schl├╝ssel umzudrehen. Nun ist es allerh├Âchste Zeit, mich ins Spiel zu bringen.

Opfer meiner voyeuristischen Neigungen war der ber├╝hmte Pianist Rudolf Buchbinder, den ich am Feiertag sah.

Gerade hatte er den Schl├╝ssel gez├╝ckt, schon war ich ihm unauff├Ąllig auf den Fersen. Buchbinder, der sich unbeobachtet glaubte, steckte den Schl├╝ssel in das Schloss und sperrte jenen Raum auf, dessen Bezeichnung vorab ein ÔÇ×KofferÔÇť ziert. Ich ├Âffnete den Mund, denn vor mir war g├Ąhnende Leere.

Alles akkurat aufger├Ąumt, blitzsauber. Dann fiel mein Blick auf zwei leere Interio-Sackerln inmitten dieser heilen Maybach-Welt.

IKEA im Bernsteinzimmer. ÔÇ×Warum?ÔÇť, rief ich, sprengte somit mein Inkognito und Buchbinder, der sich von einem hauptberuflichen Voyeur begafft sah, schloss rasch den Kofferraum und fuhr geheimnisumwittert davon.

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