über Bundespräsident Heinz Fischer
02/16/2013

Präsidentensuite

von Karl Hohenlohe

Nicht jedem wird automatisch ein Orden an die Brust geheftet

Karl Hohenlohe | über Bundespräsident Heinz Fischer

Heinz Fischer ist ein treuer Begleiter der TV-Konsumenten. Vom Opernball zur Ausstellungseröffnung, vom Konzert zur Filmpremiere, vom Blasmusiktreffen zum Ski-Weltmeisterschafts-Auftakt kann man ihn bei seinen Repräsentationspflichten begutachten. Nie hat man das Gefühl, er drängt sich ins Bild, wenn er da ist, ist er da und dann ist er gut gelaunt.

Es hat Bundespräsidenten gegeben, die wollten das Land verändern, andere die Parteien, es gab welche, die zeigten erste Anzeichen von Monarchengesinnung und dann wieder welche, denen Grenzen gesetzt waren – im wahrsten Sinn des Wortes.

Was Herrn Fischer von vielen seiner Vorgänger unterscheidet, ist das Faktum, dass man immer das Gefühl hat, dass ihm sein Beruf Freude macht, selbst dann, wenn er keine Freude macht. Das Lächeln ist nicht aufgesetzt, die Freundlichkeit nicht gespielt und nicht jedem wird automatisch ein Orden an die Brust geheftet.

Ich vermute, dass viele Österreicherinnen und Österreicher gar nicht wissen, welche weitreichenden Machtbefugnisse der erste Mann im Staate eigentlich besitzt, aber sie wollen in jedem Falle nicht, dass er sie nutzt.

Der Bundespräsident soll freundlich sein, grüßen und jene Volksvertreter, die über die Stränge schlagen, möglichst im Hintergrund, ermahnen.

Die versierten Bundespräsidenten müssen in erster Linie Brückenbauer sein und in der Hofburg residiert bekanntlich ein guter Architekt.