über Wolfram Pirchners Buch
04/11/2014

Mutprobe

von Karl Hohenlohe

Irgendwann wird dieses permanente Selbsttäuschungsmanöver zu viel

Karl Hohenlohe | über Wolfram Pirchners Buch

Es ist für jene, die nicht darunter laborieren, nur schwer vorstellbar.

Plötzlich ist sie da, die Angst, und wahrscheinlich wissen die Betroffenen nicht, von wo sie kommt, wo sie gerade noch geschlummert hat.

Was bei anderen als Beklommenheit beginnt und vielleicht auch noch als Unsicherheit durchgeht, wächst sich bei ihnen zur Panik aus. Angst vor Menschen, Angst vor Massen, Angst vor dem Angsthaben.

Wolfram Pirchner hat in seinem Leben große Angst gehabt und darüber ein bemerkenswertes Buch geschrieben, "Nur keine Panik – mein Weg zurück ins Leben" (Amalthea).

Für Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, ist die Angst die folgenschwerste Krankheit.

Gewöhnlich wird Lockerheit, Optimismus, Souveränität mit ihnen verbunden, nein, nicht verbunden, man setzt es voraus.

Das Tragische an vielen Menschen in der Öffentlichkeit ist, dass sie so sind wie du und ich und es zeitlebens verbergen müssen. Ihr eigenes Image hat von ihnen Besitz genommen und lässt sie nicht mehr los.

Irgendwann wird dieses permanente Selbsttäuschungsmanöver zu viel, der Körper setzt sich noch einmal gegen den Geist durch und signalisiert ein unverhohlenes "Aufhören". Bei Herrn Pirchner wandte er hierzu Schweißausbrüche, Schwindelanfälle und Herzrasen an.

Es ist ein ganz großer Schritt, diese Krankheit zu akzeptieren, aber es ist ein Quantensprung, als ein in der Öffentlichkeit stehender Betroffener darüber zu berichten.

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