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12.01.2013

Leerbeispiel

Die Glatze ist die Zigarre des 21. Jahrhunderts.

Karl Hohenlohe | über karges Haarkleid

Kürzlich standen der Staatsoperndirektor Dominique Meyer und der Landeshauptmann Erwin Pröll gemeinsam auf einer Bühne. Es galt den Weinen für den Opernball der „Winzer Krems“ zu huldigen. Eine denkwürdige Veranstaltung, auch der generösen Scheitel der beiden Herren wegen.

Jahrtausende war die Glatze nicht willkommen, selbst selbstsichere Männer griffen zum Toupet, die Werbung versprach Männern mit fülligem Haar ungeheure Anziehungskraft auf Frauen, Haarwuchsmittel boomten und als die Mähne des Sängers Waterloo mittels Implantaten auf weiter Jahrzehnte gesichert schien, war der Siegeszug der Kopfhaare nicht mehr aufzuhalten.

Nicht ganz, werden einige einwerfen und die Herren Kojak und Yul Brynner in Erinnerung rufen. Die beiden Womanizer waren aber nicht naturkahl, sie haben nachgeholfen und dort, wo schon wenig war, alles vernichtet.

Dies kann man sich bei Herrn Meyer und Herrn Pröll nur schwer vorstellen. Ich glaube nicht, dass die beiden in der Früh die Messer schleifen und sich eine künstliche Tonsur verpassen, um den Damen zu gefallen. Ihr karges Haarkleid ist ein Gottesgeschenk.

Ich sah sogar, wie sich der Herr Landeshauptmann kurz unbeobachtet glaubte und gerührt über seine Glatze strich. Wenig Haare sind längst ein Symbol für Erfolg und Schaffenskraft, die Glatze ist die Zigarre des 21. Jahrhunderts. Noch ist das, von Karl, dem Kahlen begonnene Werk, nicht vollendet, aber der Herr Landeshauptmann und der Herr Operndirektor arbeiten daran.