über den Schlager
07/21/2013

Landgut

von Karl Hohenlohe

In der Oper ist alles erlaubt, im Schlager ist dieses Alles Kitsch.

Karl Hohenlohe | über den Schlager

„Mir scheint“, schreibt die Leserbriefschreiberin Ingeborg D., „Sie haben die Schlagersänger nicht gerne. Da schwingt immer so ein Unterton mit.“

Das Gegenteil ist wahr, die Welt des Schlagers und ihrer Interpreten ist mir hochwillkommen. Es beginnt bei der Garderobe, meist blütenweiß und dem Ländlichen ergeben, wie sich die Städter das so vorstellen. Dann die Musik, die fette Tuba, der Klangcomputer, wenn es um Geigen geht. Schließlich die Textierung, die in zarten Tönen ebenso von der Liebe spricht wie vom Ritualmord im Wilderermilieu, und die es schafft, dass sich Heugabel und Panorama reimen.

Ich kann es auf den Bergtod nicht ausstehen, wenn man sich über die Schlagerbranche mokiert, Florian Silbereisen einen hölzernen Gesellen heißt und den Obertrumer Haudegenseern vorwirft, dass sie immer Playback singen. Wobei singen. Noch nie hat sich jemand darüber aufgeregt, dass Karel Gott in der Buntenabend-Nachmittagsshow bei Biene Maja nur die Lippen öffnet, Stimme und Musik jedoch eindeutig vom Band kommen.

Ich sehe keinen Unterschied, ob sich die Gräfin Mariza oder die Rosenresli verliebt, ob man sich über Don Juan oder den fleischgewordenen Gemeindestier lustig macht oder ob die Hauptdarstellerin des Liedes durch den König oder den König der Lüfte zu Tode kommt. In der Oper ist alles erlaubt, im Schlager ist dieses Alles Kitsch. Oft verheißen uns beide das Paradies, ob wir in jenem, von dem uns die Schlagerzunft singt, auch wirklich leben wollen, ist eine andere Frage.

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