über das Küssen
03/28/2014

Kussecht

von Karl Hohenlohe

Selbstverständlich gibt es hoch respektierte Männer, die vollkommen kusstabu sind.

Karl Hohenlohe | über das Küssen

Der Kuss ist weiter im Vormarsch. Überall wird geküsst, in der U-Bahn, im Supermarkt, beim Coiffeur, beim Tennis, beim Fleischhacker und auf der Fahrbahnmitte.

Seinerzeit war der Kuss ein Zeichen innigster Verehrung oder familiärer Bande, heute küssen sich Kundin und GF, Gastwirtin und Gast und bald schon wird es der Arzt während der Visite tun.

Das Tragische am Kuss ist, dass man ihn einfach nicht zurückweisen kann. Das Ausweichen mit dem Kopf wirkt unelegant und holprig, die Angreiferin/der Angreifer wird massiv brüskiert.

Die einzige Person, die ich kenne, die sich öffentlich vom ständigen Geküsstwerden distanziert hat, ist die Filmproduzentin Inge Klingohr, aber es hilft nichts. Gar nichts. Sie wird immer geküsst, links, rechts, als gäbe es kein Morgen.

Zunehmend wird man auch als Mann von Männern geküsst und glaubt, diese überraschende Erfahrung aus Gründen der Höflichkeit weiterführen zu müssen.

Selbstverständlich gibt es hoch respektierte Männer, die vollkommen kusstabu sind. Stellvertretend möchte ich hier den Herrn Bundespräsident Fischer nennen, den Kanzler, alle Generalanwälte, den Justizminister und Hugo Portisch.

Hugo Portisch? Hugo Portisch wurde nun bei einer Veranstaltung öffentlich geküsst. Links und rechts.

Ausführender war der Presse-Chefredakteur, Herr Rainer Nowak.

Was als Insultierung anmutete, war kein Affront. Herr Nowak kennt Herrn Portisch seit den Kindertagen und doch war es ein Bild, dass sich im Gehirn in dem Departement "Seltsam" eingenistet hat.

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