über Fotografiert werden
08/03/2013

Blickdicht

von Karl Hohenlohe

Vielleicht sind Schauspieler auch mit Komantschen verwandt.

Karl Hohenlohe | über Fotografiert werden

In Salzburg posierten der berühmte Schauspieler Sven Eric Bechtolf und der bekannte Schauspieler Clemens Schick für den guten Zweck. Eine Nobelfüllfeder in der Hand, lächelten sie in die Kamera.

Nein, das stimmt nicht, sie taten es mit ungeheurem Ernst, ganz so, als hätte man sie zu diesem Akt genötigt, als hätte der Fotograf ein Schießgewehr in der Hand gehabt und „Mach mir Boris Karloff“ gerufen.

Viele andere Berühmtheiten trieben Schabernack, sie lachten, fletschten die Zähne, grimassierten.

Nur die Herren Bechtolf und Schick waren ganz sie selbst.

Dazu erklärte Herr Schick bei „Seitenblicke“, dass er Dinge, die er nicht lustig fände, nicht unterstützen könne und so war ein neuer Boris Karloff geboren.

Es ist kein Einzelfall, dass sich einzelne große und viele kleine Künstler beim Fotografiert werden nicht leicht tun.

Sie haben keinen Regisseur, der ihnen ihre Gefühlswelt zu Füßen legt, und sind plötzlich ganz auf sich alleine gestellt.

Ich kenne einen Künstler, der sich, wie viele seiner Kollegen, immer in Schwarz hüllt und wenn es blitzt, mit solcher Ernsthaftigkeit in die Kameras blickt, dass es fast schon an Karikatur grenzt.

Vielleicht sind die Schauspieler auch mit den Komantschen verwandt, die es ja auf den Tod nicht ausstehen können, fotografiert zu werden.

Sie sehen sich ihrer Seele beraubt, die Künstler ihrer Würde.

Aber es gibt genug Künstler, die man sehr gerne ernst nimmt, auch wenn sie in die Kamera lachen.

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