über einen leeren Sessel
02/26/2013

Karriere mit Leere

von Karl Hohenlohe

Das Vakuum glänzte, respektive enttäuschte durch Abwesenheit.

Karl Hohenlohe | über einen leeren Sessel

Die Leere, das Nichts, ist oft bestechend schön. Dies ist längstens seit dem Maler Caspar David Friedrich bekannt, der den Blick seiner Figuren gerne irgendwo in die Ferne lenkte und man weiß als Betrachter nie, wohin.

Auch die Strahlkraft der Saliera war in jener Zeit am hellsten, als sie verschwunden war. Genau so wie das Bett in einem tschechischen Schloss, das einst Napoleon als Nachtlager hätte dienen sollen, von dem unverbesserlichen Usurpator aber doch nicht verwendet wurde. Es ist nun Prunkstück einer Ausstellung und erzeugt als „Bett, in dem Napoleon nicht übernachtet hat“ größte Bewunderung.

Nun gibt es ein weiteres, beeindruckendes Beispiel für das Nichts. Während der TV-Elefantenrunde der Spitzenkandidaten im NÖ-Wahlkampf blieb ein Sessel leer. Er war für einen Mitbewerber reserviert, der sich der Runde nicht stellen wollte. Er war also während der Konfrontation physisch nicht anwesend, aber doch irgendwie da. Das Vakuum glänzte, respektive enttäuschte durch Abwesenheit. Hätte man die politische Auseinandersetzung satirisch überhöht – was man mit politischen Auseinandersetzungen nicht tun soll – hätte man den leeren Sessel in das Gespräch mit einbezogen. Man hätte zur Stellungnahme aufgerufen, kritische Fragen gestellt und kritische Beiträge eingefordert.

Die Antwort des leeren Sessels, des Stellvertreters seines nicht vorhandenen Besitzers, hätte ganz klar in eine Richtung gezeigt. In jene Richtung, in welche Caspar David Friedrich die Blicke seiner Akteure schon vor rund 170 Jahren geleitet hat.

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