über das Attentat in Sarajewo
06/29/2014

Fahrtenschreiber

von Karl Hohenlohe

Selten wird ein Moment, der den Weltengang so nachhaltig verändert hat, so gegenständlich spürbar.

Karl Hohenlohe | über das Attentat in Sarajewo

Noch öfter, als die Bilder von den Särgen sieht man das Auto. Eine tragische Momentaufnahme, die Geburt einer Tragödie auf Rädern.

"Kriege gehören ins Museum," steht da irgendwo im " Heeresgeschichtlichen Museum", dort hat das Auto eine Heimat, aber keine ewige Ruhe gefunden.

Es ist mit dem Mondfahrzeug, dem ersten Käfer und dem ersten Ford das berühmteste Fahrzeug der Welt.

Bis an sein Lebensende hat sich der Chauffeur Leopold Lojka Vorwürfe gemacht, ob er den Rückwärtsgang nicht doch schneller hätte einlegen können und die rasante Fahrt der Weltgeschichte in den Untergang wäre vielleicht anders verlaufen.

Vielleicht.

Wenn die Museumsbesucher näher an das Auto treten, verstummen sie.

Fast ist die gespenstische Stille der Passanten zu vernehmen, als die Kugel erst das Blech und dann den Leib durchschlägt, nun die Schreie aus der Menge und wie sich der Thronfolger zu seiner getroffenen Frau beugt, "Stirb nicht! Bleib am Leben für unsere Kinder!" ruft und dann von der zweiten Kugel an der Halsschlagader getroffen wird.

Selten wird ein Moment, der den Weltengang so nachhaltig verändert hat, so gegenständlich spürbar.

Das Fahrzeug selbst weiß um seine Wirkung, es wäre gerne stolz und möchte Würde verströmen, aber es geht nicht.

Zu tragisch ist, was in diesem Gräf & Stift am 28. Juni 1914 vorgefallen ist und dass man 100 Jahre danach immer noch diskutiert, ob die Opfer nicht die Täter waren oder umgekehrt.

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