Meinung | Kolumnen | GesMBH
08.06.2014

Bauchgefühl

Das Paar wirkte gleichermaßen wohlgenährt wie glücklich.

Karl Hohenlohe | über Anna Netrebko

Kürzlich sah ich Frau Netrebko und den Mann an ihrer Seite.

Es war ein erster warmer Abend, das Restaurant gut gefüllt, man aß und betrachtete gerührt die große Sängerin. Es sagt viel über die Menschen aus, wenn man sie beim Beobachten beobachtet.

Die einen tun es ohne Scheu, ganz so, als ob das Objekt der Begierde ihnen gehören würde, die anderen tun es verhohlen und die dritte Gruppe gibt vor, dass sie Prominente nicht interessieren, sie nehmen es mit der Wahrheit nicht so genau.

Es muss gewöhnungsbedürftig sein, beim Heben der Serviette und des Glases, beim Öffnen des Mundes, dem Einsatz der Mahlwerkzeuge und dem Entfernen der Mayonnaise aus dem Mundwinkel von fremden Menschen angestarrt zu werden. Es würde mir, gegebenenfalls, den Appetit verderben, mehr noch, die Blicke würden sich, nicht nur des Reimes wegen, auf den Magen schlagen.

Ich denke, bei Frau Netrebko verhält es sich nicht so, doch dazu später.

Der Mann an Netrebkos Seite, selbst ein guter Sänger, wird von vielen beneidet. Vielleicht singt sie ihm in der Badewanne vor, kauft ihm Cashmere-Pullover und schenkt ihm Eintrittskarten für die oberen Zehntausend.

Die Krux an der Sache, man wird im Restaurant von wildfremden Menschen total oder gar nicht angestarrt, aber damit kann man leben.

Zwei Dinge blieben in Erinnerung: Das Paar wirkte gleichermaßen wohlgenährt wie glücklich und etwas besseres kann man über Menschen, die sich in Liebe verbunden sind, nicht sagen.

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