über die Seitenblicke-Kamera
12/19/2014

Glas-Weise

von Karl Hohenlohe

Also entwickelte man die Technik des plötzlichen Zuprostens.

Karl Hohenlohe | über die Seitenblicke-Kamera

Als die Seitenblicke noch jung waren, wussten die Feiernden nicht "was tun", wenn die Kameras auf sie gerichtet wurden. Am Anfang lächelten sie noch verlegen, aber das war nicht abendfüllend.

Also entwickelte man die Technik des plötzlichen Zuprostens. Menschen, die einander seit Jahren in tiefer Feindschaft verbunden waren, erhoben bei Herannahen einer Kamera die Gläser und stießen freudestrahlend an.

Aber irgendwann sahen sich die Gestalter der Sendung vor größte Probleme gestellt. Jede Aufnahme, die für einen Zwischenschnitt getaugt hätte, war mit zuprostenden Leuten gepflastert und im Falle eines Treffens berühmter anonymer Alkoholiker oder eines Prominentenbegräbnisses kam das nicht gut.

Die nächste Stufe war allgemeines Gelächter. Das Licht der Kamera geht an und gerade noch in tiefster Lethargie befindliche Personen beginnen auf einmal zu lachen. Diese Form hat sich dann weltweit durchgesetzt, in allen Gesellschaftssendungen verbreiteten die plötzlich gefilmten Gäste Frohsinn und Unnatürlichkeit.

Nun zeichnet sich ein neuer alter Trend ab. Prominente agieren als Kameramänner und werden dabei von anderen Kameramännern gefilmt, das kannte man schon von "1, 2 oder 3" und "Wünsch Dir was". Gerade konnte man einen deutschen Nationalspieler im Fernsehen bestaunen, wie er seine Kollegen auf Speicherkarte bannte und auch bei der ORF-Sportweihnachtsfeier sah man den Herrn Bundespräsidenten, wie er beim Filmen gefilmt wurde.

Manchmal wünscht man sich das Zuprosten zurück.

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