Ges.m.b.H.: Tonleiter

Karl Hohenlohe über Takt-Gefühl.

Als der berühmte Koch Witzigmann nun seinen 70. Geburtstag beging, geschah etwas Seltsames: Man drückte ihm ein Dirigentenstäbchen in die Hand und forderte ihn auf, die Blasmusik zu leiten. Seit vielen Jahrhunderten animiert man die Potentaten, Präsidenten, Schlagersänger und Köche aus gegebenem Anlass zu dirigieren. Kaum einer kann es - Tuba, Pauke und Triangel machen, was sie wollen -, aber es schert uns Zuhörer nicht. Wir jubeln, wenn der letzte Takt verklingt. Man muss sich fragen, wer mit dem Klimbim begann. Waren es die Pressestellen der Königshäuser, die bei "Programmpunkte" "11 Uhr 22 bis einschließlich 11 Uhr 24 Dirigat s. M." einfügten? Oder ob die Bürgermeister einer plötzlichen Eingebung folgten, den Majestäten die allerhöchsten Blumensträuße aus ebensolchen Händen nahmen und durch oberflächlich verzierte Taktstöckchen ersetzten? Die wenigsten Prominenten sind der Aufgabe des Dirigats gewachsen, sie folgen der Musik, wo es doch umgekehrt sein sollte. Dies zeigt sich vor allem daran, dass sie nach dem letzten Takt beide Arme nach oben halten und einen verdatterten Gesichtsausdruck zur Schau stellen. Ich darf von mir behaupten, jener Österreicher zu sein, der die meisten einheimischen Prominenten beim Dirigat, also auch mit einem überraschten Gesichtsausdruck nach dem Finale, gesehen hat. Schwarzenegger beispielsweise oder Waltraut Haas, Niki Lauda jedoch war nicht dabei. Der versierteste, weil wohl meisterprobte Hobbydirigent, den ich jemals beobachten konnte, ist LH Pröll aus NÖ. Am Anfang hält er die Hände oben, am Ende unten und das ist das Erfolgsgeheimnis. Einladungen, Beschwerden, Hinweise: karl.hohenlohe@kurier.at

Erstellt am 05.12.2011