Ges.m.b.H.: Nicht um die Burg

hohenlohe
Foto: KURIER

Karl Hohenlohe über Gert Voss und das Dasein des Gesellschaftsredakteurs.

Sonntagnachmittag, Flughafen "Charles de Gaulle", Paris.

Niemals möchte man berühmt sein, man wird beobachtet, der Sitz der Frisur bewertet und jede Besorgung erzählt eine Geschichte.

Anders gesagt: Gert Voss kauft eine Zeitung.

Das Dasein des Gesellschaftsredakteurs hat immer etwas Schäbiges, wie kommt ein Burgtheaterschauspieler dazu, sich observieren zu lassen, sein privates Tun wird ohne sein Wissen in eine öffentliche Kolumne gezwängt und von der Masse bemessen.

Die einen wenden sich gelangweilt ab und suhlen sich in ihrer Empörung, andere ergötzen sich an dem Bericht und wieder andere sind enttäuscht, weil sie sich nach einem Fehlverhalten sehnen und es kommt vielleicht nicht.

Herr Voss kauft eine Zeitung:

Vorsichtig betritt er den Kiosk, sein Blick flattert durch die Regale und schon scheidet er die Spreu vom Weizen.

Die Modemagazine lässt er links liegen, die Automagazine auch, in aller Ruhe schlendert er vorwärts und ich beginne, mir Sorgen zu machen.

Noch zwei Meter, dann hat er den Gipfel der erotischen Berichterstattung erreicht, junge Damen lachen ihm lüstern entgegen, absurd verdrehte Körperteile, Kamasutra aus Finnland und ein Paar, das uns vor­gaukelt, wie man es wirklich richtig macht.

Wenn Gert Voss hier stehen bleibt, kann ich diese Kolumne nicht schreiben, aber er ist gnädig.

Einen  Meter vor dem Scheideweg biegt er in die Kulturabteilung ab und fixiert ein Heft, auf dem – ich schwöre, es ist wahr – "Les Beaux-Arts" geschrieben steht.

Einladungen, Beschwerden, Hinweise:
office(at)hohenlohe.at

(kurier) Erstellt am
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