Meinung | Kolumnen | GesMBH
28.01.2012

Ges.m.b.H.: Luftgeschäfte

Karl Hohenlohe über einen Schildkrötenfresser.

Gemeinhin glaubt man, wir Gesellschaftsredakteure wären einfach gestrickt, Speisefolgen, Tüll, Zwirn und Geschmeide alles, was wir beschreiben könnten.

Das stimmt, manchmal aber versteigen wir uns in höhere Sphären, suchen unser Heil in der Erziehung der Massen und stürzen ab wie Matti Nykänen, nachdem er nicht mehr abheben wollte.

Erst letzte Woche erwähnte ich hier in diesem Geviert Herrn Aischylos, einen älterer Griechen, den die Altvorderen vielleicht noch gekannt haben.

Herr Aischylos, so schrieb ich, wäre an einer Schildkröte gestorben. Ein Adler hatte seine Glatze mit einem Felsen verwechselt.

Umgehend erhielt ich Post, der von mir so hoch geschätzte ehemalige Tiergartendirektor von Schönbrunn Helmut P. hatte zur Feder gegriffen.

Herr Pechlaner: "Es war kein ADLER, der die Schildkröte abgeworfen hat, sondern ein BARTGEIER. Bei uns wirft er Knochen ab, um die Bruchstücke zu fressen, in SO-Europa eben Schildkröten."

Nun blätterte ich aber in dem wahnsinnig spannenden Lexikon von Herrn Hesychios und siehe da, es fliegt mir eine Adlerart mit dem Namen "Chelonophagos" entgegen, was – die Leser haben es gewusst – "Schildkrötenfresser" heißt.

Ich frage mich nun, wie "Chelonophagos" die Schildkröten verzehrte, ob er ihnen gut zusprach, aus dem Panzer zu kommen und dann zuschlug, oder ob er sie nicht doch auf Glatzen warf?

Letzthin ist es egal, die Leserinnen und Leser wollen es in diesen Rubriken nicht so genau wissen, ihnen reicht die Gewissheit, was die Prominenten aßen, was sie trugen; wie sie zu Tode kamen, ist weniger, bis gar nicht relevant.