Meinung | Kolumnen | GesMBH
25.01.2012

Ges.m.b.H.: Lebenslinien

Karl Hohenlohe über Menschen, die dem Altern Einhalt gebieten wollen.

Gerade sah man Frau Ornella Muti, die berühmte Schauspielerin, die den St. Georgs Orden des Dresdner Semperopernballs 2012 in der Kategorie "Kultur und Film" erhielt.

Man sah nicht, man staunte.

Frau Muti wurde im gleichen Jahr wie Alain Prost, Nicolas Sarkozy, aber auch der bekannte Jugendstar, Herr Heintje, geboren, aber man sieht es ihr nicht an.

Die Natur ist in ihrem Falle stehen geblieben.

Frühling, das ganze Jahr.

Nun ist es nicht immer ein Vergnügen, wenn die Blumen, im Gegensatz zu uns selbst, nicht welken. Man sieht sich satt an ihnen, jeden Tag entfernen sie sich mehr von uns und irgendwann steht der Altersunterschied, der ja eigentlich gar keiner ist, zwischen den Menschen.

So stelle ich mir vor, ich hätte mit 20 geheiratet und mich ab 30 Herrn Worseg anvertraut. Mit 40 vier Falten, mit 50 zwei – und dann keine mehr.

Die Menschen, die dem Altern Einhalt gebieten wollen, erinnern an die Gewächse mancher Glashäuser, die sich ja auch an der Natur vergehen.

Die Früchte dieser Glashäuser, Paradeiser, Gurken und Zucchini, strahlen wie das pralle Leben, sie glänzen in schönsten Farben und offerieren kulinarische Glückseligkeit.

Wenn man dann hineinbeißt, wird man erschrecken, ein schaler, langweiliger Geschmack, den man bald vergisst, wie Napoleon die Gräfin Maria Walewska.

Man staunte also, als man nun in der Semper-Oper glaubte, Frau Ornella Muti vor sich zu haben.

Sie war es und dann war sie es doch wieder nicht und das ist ein Zustand, der niemanden glücklich macht.

Einladungen, Beschwerden, Hinweise: karl.hohenlohe(at)kurier.at