Meinung | Kolumnen | GesMBH
05.12.2011

Ges.m.b.H.: Kragenweite

Karl Hohenlohe über das Rätsel eines aufgestellten Kragens.

Als der stadtbekannte Verleger Mucha nun im Kunsthistorischen Museum öffentlichkeitswirksam daran ging, die Finalisten seines Werbepreises auszusuchen, parkte er seinen Rolls-Royce vor dem Eingang. Das ist interessant. Noch beeindruckender jedoch war ein kleines, aber sehr bewusst gewähltes Detail an der Kleidung des Verlegers, er hatte den Kragen seines Sakkos aufgestellt. Wir kennen dieses Vorgehen von den braun gebrannten Models in den Modekatalogen, wie sie strahlend Wind und Wetter trotzen, weil die Fotografen sie mit lauten Zurufen unausgesetzt zum Coolsein animieren. Wir kennen den aufgestellten Kragen aber auch von den kleinen Ganoven, die seinerzeit noch vor Nick Knatterton flüchteten, um etwaigen Zeugen nicht die Chance auf eine Wiedererkennung zu gewähren. Es ist keiner langen Erörterung nötig, um zu ergründen, warum der stadtbekannte Verleger Mucha seinen Rolls-Royce gleich neben dem Eingang geparkt hat, warum er aber den Kragen seines, nicht ganz knitterfreien, Sakkos aufgestellt hat, bleibt vielen ein Rätsel. Natürlich kann er der Idee anhängen, mittels aufgestellten Kragens jugendlicher und cooler zu erscheinen, aber diese These erscheint mir für Herrn Mucha doch eine Nuance zu simpel. Ich vermute, er zeigt uns mit dieser Technik nichts, vielmehr versteckt er etwas. Seine Feinde werden sagen, er versteckt den Hals, den er nicht vollkriegen kann, seine Freunde auch. Es ist an Gott zu entscheiden, ob der, der den Hals nicht vollkriegen kann, Richtung Himmel oder Hölle unterwegs ist. Die einen werden diesbezüglich Rat in der Kirche, die anderen vor dem Spiegel suchen. Einladungen, Beschwerden, Hinweise: karl.hohenlohe(at)kurier.at