Ges.m.b.H.: Knopf & Kragen

Karl Hohenlohe über den Dresscode in Salzburg.

Genau 40 Jahre gibt es nun schon diese schönen, modischen Ausrüstungsgegenstände in Salzburg zu kaufen, also feierten die Betreiber von Hermes ein kleines Fest. Man scharte sich um die Festspielpräsidentin Rabl-Stadler, die das Geschäft von der Mutter übernommen und es dem Sohn übergeben hat. Es liegt in der Natur des Menschen, besonders in der zerstörten Natur des Gesellschaftsberichterstatters, dass er weder bereit ist, irgendwelcher Konversation zu folgen, noch die Qualität der gereichten Happen zu genießen, er muss, berufsbedingt, immer taxieren. Bezüglich der Einteilung in eine Werteskala beschränkt sich der versierte Gesellschaftsjournalist ausschließlich auf äußere Merkmale, sprich, Frisur, Kleidung, Schmuck, Schuhwerk, etc. Feiert ein Modehaus ein Fest, wird er also darauf achten, ob die werten Gäste auch die Produkte des Hauses zur Verwendung bringen, insbesondere ob die Krawatten getragen werden. Siehe da, nicht wenige hatten sich Krawatten anderer Hersteller um den Hals geschlungen, andere wiederum, die vielleicht den Zorn der Festspielpräsidentin fordern wollten und scheiterten, kamen krawattenlos daher. Dem nicht genug, hatten sie auch noch den obersten Hemdknopf geöffnet, eine Geste gegenüber der Krawatte, die dem Mittelfinger bei den Menschen gleichkommt. Selbst der Festspielintendant, Herr Hinterhäuser zog ohne Krawatte ein. Was blieb von der Veranstaltung? Die einen werden den Krawattenknopf hinkünftig noch enger ziehen, die anderen werden den Schlips, wie viele Kulturschaffenden in Salzburg gerne sagen, noch intensiver verteufeln, und beide gingen beglückt nach Hause. Einladungen, Beschwerden, Hinweise: karl.hohenlohe@kurier.at

Erstellt am 05.12.2011