Ges.m.b.H.: Im Segensreich

Karl Hohenlohe über den Händedruck von Prominenten und Niemanden.

Vor einigen Tagen segnete S. E. Kardinal Christoph Schönborn einige Motorräder und ihre Besitzer.

Es ist ein seltsames Phänomen, dass der Segen mehr zählt, wenn ihn ein hochrangigerer Kirchenfürst ausführt. So bleibt den Kaisern, Königen, Parteiführern und anderen Prominenten die Segnung des Pontifex wesentlich länger in Erinnerung, als wenn ihn der Dorfgeistliche spendet.

Wir vergessen, dass der Arm des Papstes, genau so wie die Hand von Don Camillo, nur Verlängerungen des Armes und der Hand von Gott sind, und der hat uns ja alle vollkommen gleich gern. In Wahrheit wissen das die Menschen, aber sie wollen es nicht wissen.

Es ist ja in allen Bereichen so, dass uns der Kontakt, das Erkanntwerden und jeder noch so flüchtig hingeworfene Händedruck seitens eines Prominenten mehr erfreut, als wenn ihn ein Niemand wie unsereiner ausführt.

Ich kann mich noch gut an das vorige Jahrhundert und einen Besuch bei dem ehemals gottgleich verehrten Koch Paul Bocuse erinnern.

Er erschien erst zur Nachspeise, wanderte mit verschränkten Armen von Tisch zu Tisch, die Menschen suchten ein Gespräch, er aber nicht.

So schlenderte er dahin, blieb eine Sekunde vor dem Tisch stehen, schaute nur, ging weiter. Eine Unzahl von Gästen fühlte sich gesegnet und behauptete später, sie hätten noch nie in ihrem Leben so gut gegessen.

Darüber hinaus erlebte ich einmal Herrn von Karajan selig, wie er in Salzburg aus dem Festspielhaus trat und man ihm die Programmhefte für ein Autogramm entgegenreckte.

Er unterschrieb nichts, berührte sie nur und selten habe ich so glückliche Menschen gesehen.

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karl.hohenlohe(at)kurier.at

(kurier) Erstellt am
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