Ges.m.b.H.: Gesichtspunkte

Karl Hohenlohe über die Schönheit und Männer mit fratzenhaften Zügen.

Während der ROMY-Gala sagte der bekannte Schauspieler Donald Sutherland: "Ich bin nicht schön." Unzählige Damen protestierten. Umgehend entspann sich eine Diskussion, wo denn die Schönheit beginnt, sich zur Verruchtheit steigert, um plötzlich, ganz aus heiterem Himmel, ins Fratzenhafte abzugleiten. Alle Jahre wieder erobern Männer mit fratzenhaften Zügen Hollywood und seine schönsten Damen. Sind es die ungleich großen Ohren, der schiefe Mund, die hervorquellenden Augen, die wie ein aphrodisierendes Gebräu wirken, man weiß es nicht. Nehmen wir nur Herrn Serge Gainsbourg, der zuletzt Frau Birkin beglückte - kein schöner Mann nach klassischer Bauart, aber immens erfolgreich. Herr Gainsbourg, den man in jeder Provinzbühne ohne jegliches Vorsprechen sofort als Teufelchen besetzt hätte, hatte - bevor er ihn vertrank - vor allem eines: Humor. Und Humor ist das stärkste Bindeglied zwischen den Menschen. Wenn eine Frau einen Mann zum Lachen bringen kann, ist er ihr schon erlegen und umgekehrt ist es genau so. Nun werden alle Hässlichen, die mit Humor gesegnet sind, jubilieren, jedoch muss ich sie mit der unerfreulichen Tatsache konfrontieren, dass der lustige Adonis dem lustigen Gainsbourg letztlich überlegen bleibt. Herr Donald Sutherland hat, was die Physiognomie anbelangt, nicht das Kaliber von Herrn Gainsbourg, er ist schöner als Serge Gainsbourg, aber lange nicht so schön wie Karl-Heinz Grasser. Es ist erstaunlich, wenn einer hintritt und öffentlich sagt, "Ich bin nicht schön", noch erstaunlicher ist aber, wenn einer hintritt und öffentlich sagt: "Ich bin schön."

Erstellt am 05.12.2011