Ges.m.b.H.: Freude am Leid

Karl Lohenlohe über den Störenfried gesellschaftliches Treiben.

Der ORF-Kulturmontag Spezial aus Salzburg war eine sehr unterhaltende Sache. U. a. ging es auch um den Störenfried gesellschaftliches Treiben, das vielen Kulturschaffenden zu weit geht. Die drei Herren im Studio, der Intendant Hinterhäuser und die Schauspieler Becker und Brandauer, gingen mit der Society milde ins Gericht, die Hand, die einen füttert, beißt man nicht. Die Herren sprachen sich nur gegen die Oberflächlichkeit aus, der Hut auf dem Kopf wäre oft interessanter als das, was sich darin befindet. Diese Aussage wurde in der Uniform der Mimen getroffen, alle Herren waren vom Scheitel bis zur Sohle in Schwarz gehüllt, das ist das Erkennungsmerkmal der Schauspieler. Es unterstreicht den Ernst ihrer Bemühungen, den verletzlichen Seelenzustand. Das Dunkel, das ihnen innewohnt, haben sie sich auch übergestülpt. Der großartige Schauspieler Brandauer meinte, man wolle bei den Festspielen nichts Liebliches auf die Bühne bringen, sondern Defizite und Abgründe des Menschen projizieren. Diese Meinung hat sich durchgesetzt - wer heute ins Theater geht, wird eher betroffen gemacht als unterhalten, das Weinen hat einen wesentlich höheren Stellenwert als das Lachen bekommen. Selbst die oberflächlichsten Menschen haben schon die Erfahrung gemacht, dass auch das verstörendste Stück magische Momente in sich birgt und man nach dem Schlussapplaus aufgewühlt nach Hause geht. Früher waren die Regisseure dieser Stücke mutige Revolutionäre, die abseits der ausgetreten Pfade agierten. Heute ist das Gegenteil der Fall, ein Stück, das zum Lachen reizt, riecht nach Revolution, anders gesagt, eine Angst vor dem Lachen geht um. Einladungen, Beschwerden, Hinweise: karl.hohenlohe(at)kurier.at

Erstellt am 05.12.2011