Meinung | Kolumnen | GesMBH
05.12.2011

Ges.m.b.H.: Fragezeichen

Karl Hohenlohe über Marika Lichter.

Unlängst habe ich Marika Lichter gesehen. Das werden viele behaupten. Frau Lichter ist omnipräsent, wobei das Gesehenwerden nicht wie bei uns der Beruhigung der Eitelkeit dient, Frau Lichter vertritt die verschiedensten Künstler und ihre Auftritte in der Öffentlichkeit sind Teil ihres Geschäfts. Ich sehe sie auf Galas, Empfängen, Cocktails und Konzerten und manchmal, wenn sie so dasitzt, denke ich mir, ob sie jetzt nicht lieber zu Hause wäre, fernsehend, kochend oder ein Buch lesend, das schon seit Weihnachten sehnsüchtig auf die Entfernung der Schutzummantelung wartet. Manchmal ist Frau Lichter müde, manchmal aufgeweckt, manchmal angriffslustig, manchmal abwesend, aber diesmal muss irgendetwas Besonderes passiert sein. Sie sitzt dort drüben am Tisch, gestikuliert, zieht Vertraute und Unvertraute ins Vertrauen, hebt anklagend die Hände, schüttelt den Kopf und irgendwann tun es die anderen an ihrem Tisch auch. Sicher, man könnte hinübergehen, fragen, sich gegebenenfalls mitempören oder das Vorgefallene als nicht empörungswürdig einstufen, aber das tut man nicht. Vielleicht auch, weil das Spekulieren über ein Ereignis immer unterhaltender ist, als das Ereignis selbst. Später breche ich mit meinem Vorsatz, gehe hinüber und versuche das zu tun, was man früher "Erkundigungen einziehen" genannt hat. Die meisten Eingeweihten - und auch Frau Lichter - sind schon gegangen, einer harrt noch aus, der für seine Diskretion sehr bekannt ist. Nein, diesbezüglich möchte er nichts sagen, nur, dass irgendjemand Frau Lichter sehr viel Zeit gestohlen hat und sie das nicht auf sich sitzen lassen wird. Ich bleibe nicht am Ball.