Meinung | Kolumnen | GesMBH
05.12.2011

Ges.m.b.H.: Flaschenpost

Karl Hohenlohe über Gerard Dépardieus Versuch, Gassi zu gehen.

Nun konnte man in nahezu allen heimischen Medien von Herrn Dépardieu lesen, der in einem Flugzeug ein wenig angetrunken war, in eine Flasche pinkeln wollte, jedoch das Ziel verfehlte. Verehrte Leserschaft, selbst die elegantesten österreichischen Medien zeigten keinerlei Genierer und brachten den Begriff pinkeln zu Verwendung. Sie hätten genauso gut urinieren, Gassi gehen oder Wasser abschlagen schreiben können, aber sie bedienten sich des derben Pinkelns. Seit Ernst August war dieser Begriff nicht mehr strapaziert worden, er kratzte am Vergessenwerden und feiert nun so ein fulminantes Comeback. Es gibt gar nicht so nicht wenige Menschen, die lachten sich bei der Lektüre der Begebenheiten ins Fäustchen - Dépardieu, das Scherzkeks, ein wilder Hund, etc. Ich wünschte mir, sie allesamt säßen einmal in einem Flugzeugsessel neben einem 170-Kilo-Mann, der versucht, in eine Flasche Gassi zu gehen und es gelingt nur zu 70 Prozent. Da mutiert das Scherzkeks dann möglicherweise ganz, ganz schnell zum Desperado und die Stewardess zum Samariter. Die zartbesaiteten Leserinnen und Leser werden es gerade registriert haben, ich ersetzte das rohe Pinkeln durch das liebliche Gassigehen und schon las sich der Satz vollkommen anders. Nun bin ich sicher: Das Riechsalz wurde vom Applaus gebannt. Ich werde hinkünftig weiter gegen die Verrohung der heimischen Gesellschaftsrubriken vorgehen, übergeben statt speiben schreiben und Deodorant anstatt Roll-on. In mancher bangen Stunde frage ich mich, ob es goutiert wird. Ist da jemand? Einladungen, Beschwerden, Hinweise: karl.hohenlohe(at)kurier.at