Meinung | Kolumnen | GesMBH
05.12.2011

Ges.m.b.H.: Ansichtssache

Warum verfolgt ein Konzertpianist die Fürstenhochzeit im Fernsehen?

Die Hochzeit in Monaco lockte rekordverdächtig viele Fernsehzuschauer vor den Apparat, auch einheimische Prominente. So wurde mir aus grundsätzlich sehr verlässlicher Quelle zugetragen, sogar der weltberühmte Pianist Buchbinder hätte zugesehen. Ich weiß nicht, wie es sich zutrug, ob er im Sog zufällig anwesender Damen (die für die Betrachtung von Hochzeiten im Fernsehen grundsätzlich empfänglicher sind als Herren) vor dem Schirm landete, oder ob er eine Konzerttournee sausen ließ und sich mit drei Ottakringer und vier Kilo Soletti in den Fernsehraum zurückzog. Wie auch immer. Fakt ist, Herr Buchbinder hat Teile der Hochzeit mitverfolgt. Nun stellt man sich folgende Fragen: Was findet dieser Mann, daran, wenn zwei Menschen Ringe tauschen? Ihm, dem gewöhnlich die Etüden durch den Kopf jagen, dessen Ganglien von Klavierläufen besetzt sind, dem Liszt, Beethoven sowie Penderecki näher sind als alle Fürsten zwischen Transsylvanien und der französischen Riviera? Dies ist stets die zentrale Frage, wenn wir uns dabei ertappen, wie wir die ZiB 20 samt Wetter den Seitenblicken opfern, mit wohligem Schauer die Breaking News aus dem Marchfelderhof konsumieren und der Niederkunft von Frau Garanca entgegensehen. Interessiert es uns wirklich, bringen uns diese Nachrichten weiter - und wenn ja, wohin? Die Antwort ist so simpel wie ein Windhundgehirn. Wenn wir den Kopf ständig voll haben mit Konzepten, Noten, Krisen, Kriegen und Missgünstlingen, dann sehnen wir uns manchmal nach dem Nichts. Aus diesem Grund verschlingen die Gourmetkritiker fallweise Extrawurstsemmeln und Rudolf Buchbinder zog sich Teile der Fürstenhochzeit rein. Einladungen, Beschwerden, Hinweise: karl.hohenlohe(at)kurier.at