Beichtgeheimnis

Man springt vom Drei-Meter Brett und landet neben Felix Baumgartner.

Karl Hohenlohe | über die Beichte

Es war am 24. 12. 2012 um 9 Uhr Früh, als ich zufällig Kardinal Christoph Schönborn begegnete.

Wir sprachen über dies und das, und vor dem Abschied wollte ich wissen, was er denn jetzt zu tun gedenke. Der Herr Kardinal versicherte, er wäre auf dem Weg zum Stephansdom, wo er Gottsuchenden die Beichte abnehmen würde. Dies gab mir zu denken.

Man geht nichts ahnend in eine Bar und Ella Fitzgerald lehnt am Klavier, bedient wird es von Rudolf Buchbinder. Man geht zum Würstelstand und bekommt ein „Fürstl“, man springt vom Drei-Meter Brett und landet neben Felix Baumgartner, man beichtet im Stephansdom und plötzlich sitzt man dem Erzbischof von Wien gegenüber.

Gibt es Hinweistafeln, die uns zu jenem Beichtstuhl weisen, und haben sich schon Stunden vor der Abnahme lange Warteschlangen von Menschen gebildet, die ihr Sündenregister möglichst weit oben deponieren wollen? Beichtet man beim Herrn Kardinal anders als bei seinem Glaubensbruder in Pfaffstätten, Minsk oder St. Nimmerlein?

Die Menschen wollen es nicht zugeben, aber insgeheim schielen sie bei der Beichte beim Herrn Kardinal auch auf die Qualität der Vergebung, die sie eine Nuance höher einstufen als in Pfaffstätten, Minsk oder St. Nimmerlein.

Die schoss mir durch den Kopf, als der Herr Kardinal ganz nebenbei bemerkte, dass auf seinem Beichtstuhl „Aushilfe“ stehen würde. Ich wollte anmerken, dass ich gerne vorbeischauen würde, tat es aber nicht, weil es in meinem Falle vielleicht doch etwas länger dauern würde.

Erstellt am 26.12.2012