über Udo Jürgens
12/24/2014

Ausklang

von Karl Hohenlohe

Er war, ähnlich wie die Queen oder Fidel Castro, immer schon da

Karl Hohenlohe | über Udo Jürgens

Sonntag, Wien, Café "Goldegg". Plötzlich steht da Breaking News auf dem Tablet-Bildschirm und dass er gestorben ist. Im ersten Moment erschrickt man und ist erstaunt, weil man nicht damit gerechnet hat.

Er war nicht krank, er war nicht verwirrt, er hatte einen federnden Schritt und gerade einen Tonträger mit dem Titel "Mitten im Leben" herausgebracht.

"Tonträger", das passt eigentlich nicht zu ihm, er war ein Held der Schallplatte, der Musikkassette, der Konzertsäle.

Er war, ähnlich wie die Queen oder Fidel Castro, immer schon da, man war ihn, im positivsten Sinn des Wortes gewöhnt, so wie man an eine Zeitung, ein Eau de Cologne, eine Handschrift gewöhnt ist.

Es gibt Künstler, die, wenn man ihnen immer wieder begegnet, an Strahlkraft verlieren, man wird ihrer eines Tages müde. Ich kann nicht sagen, warum, aber bei ihm war das nicht der Fall.

Er hat Hadern geschrieben, Chansons, Schlager und Schnulzen, viele von ihnen sind Evergreens geworden, die sich einer weiteren Klassifizierung entziehen.

Seine Texte sind im Lauf der Jahre anspruchsvoller geworden. Er war kein Protestsänger, er hat hat von den Mächtigen und den Mitmenschen nichts gefordert, er hat um Anstand, Geradlinigkeit und Toleranz ersucht.

Von der Decke des Café "Goldegg" hängt eine Uhr, sie rührt sich seit Jahren nicht mehr und hat schon, als Jochen Rindt starb, halb zwei angezeigt. Die Menschen, die jetzt um fünf auf die Uhr hinaufschauen, möchten glauben, dass die Zeiger wegen Udo Jürgens um halb zwei für immer stehen geblieben sind.

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