über neue Moden
09/05/2016

Neue Moden

So schnell wie Zara & Co Designs kopieren, kann nicht einmal Karl Lagerfeld "Haltet den Dieb" rufen.

von Simone Hoepke

So schnell wie Zara & Co Designs kopieren, kann nicht einmal Karl Lagerfeld "Haltet den Dieb" rufen.

Mag. Simone Hoepke | über neue Moden

In Berlin hat die Modemesse Bread & Butter dieses Wochenende ihre Pforten für Hinz und Kunz geöffnet. Das ist neu.

Bisher durften ja nur Fachleute in die heiligen Hallen der Kleidermacher. Mode war schließlich etwas Exklusives, das zuerst von den Schönen und Reichen im kleinen Kreis beklatscht wurde. Der Rest der Welt musste gespannt wie ein Gummiringerl auf die September-Ausgabe der Vogue warten. Dort erfuhr die Hobby-Fashionista dann aus dem extra dicken Heft, was sich Versace oder Vivienne Westwood wieder ausgedacht haben. Das war verlässlich so interessant wie unerschwinglich. Und zum Glück in Gramatneusiedl ohnehin schwer erhältlich.

Heute weht ein anderer Wind. So schnell wie Zara & Co Designs kopieren, kann nicht einmal Karl Lagerfeld "Haltet den Dieb" rufen. Statt einer Winter- und einer Sommerware drücken Modemacher jährlich zwölf Kollektionen in den Markt und liefern sie gleich frei Haus ins hinterste Tal. Das Fetzen-Karussell wird schneller, unübersichtlicher.

Bei der Bread & Butter gibt es Schuhe, die gibt’s gar nicht. Italienische Designer haben die Treter entworfen, sind aber noch nicht dazugekommen, sie zu produzieren. Auf dem goldenen Podest am Messestand steht nix. Schlechtes Timing, könnte man meinen. Ein Mode-Fachmann ist aber völlig aus dem Häuschen ob der genialen Inszenierung. Denn neben dem Podest steht ein dunkel gekleideter Anzugmann mit ernster Miene, Knopf im Ohr und Tablet in der Hand. Er reicht sein iPad reihum – und was die Leute darauf sehen, ist für die Modebegeisterten der Wahnsinn: Schuhe in 3-D, die virtuell auf dem goldenen Podest stehen, obwohl sie erst Ende Oktober in der realen Welt ankommen. Der nicht vorhandene Schuh am leeren Podest wird fotografiert, als wäre das Geheimnis um den Heiligen Gral endlich gelüftet.

Fix ist zum Glück, dass Mode eine Manege für bunte Vögel bleibt. Nächsten Winter stecken diese übrigens auffallend oft in Glockenröckchen und Turnschuhen oder in Jeans, deren Bund weit ober dem Bauchnabel endet.