Die Mars-Connection

Es musste eine Giulietta sein. Nicht pissgelb, sondern knallrot, wie es für einen Alfa gehört.

Es musste eine Giulietta sein. Nicht pissgelb, sondern knallrot, wie es für einen Alfa gehört.

Mag. Simone Hoepke | über die Mars-Connection

Das alte Auto von Gabi hat sich fair verhalten. Mit lautem Geklapper, das nicht mehr abzustellen war, hat es angekündigt, dass es bei nächster Gelegenheit auseinanderfällt. Ein Freigabe-Signal für den Kauf eines Neuwagens.

Dieser musste zwei Kriterien erfüllen: Genügend Platz für Skier bieten – ein Mal im Winter geht Gabi Ski fahren. (Nein, Verleihstationen, die sich in Obertauern wie eine Perlenkette aneinanderreihen, sind keine Option.)

Zweitens: Es musste eine Giulietta sein. Nicht pissgelb, sondern knallrot, wie es sich für einen Alfa Romeo gehört. Klingt nach einem unerschütterlichen Plan.

Er kippte. Nicht, weil die Skier nicht in die Giulietta passen. Sondern wegen des schwarzen Modells, das neben dem roten stand. Der Händler musste Frau mit beiden Autos fotografieren – wegen der WhatsApp-Blitzumfrage, welche Farbe besser zu ihr passt. Gekoppelt mit der bangen Frage, ob eh niemand meint, nur alte Menschen fahren rote Autos.

Ein Autokauf ist keine rationale Sache. Außer für eine Käfer-Fahrerin, die ein Ultraschallbild in Händen hält, das den Kauf eines Zwillingskinderwagens und eines dazu passenden Autos nahelegt. Oder für Pariser, die am 1. Juli über Nacht zum Sonntagsfahrer degradiert wurden. Weil sie 2CV-Fahrer sind und Enten nach 1990 nicht mehr gebaut wurden. Was ein Problem ist, denn Autos, die vor 1997 erstmals zugelassen wurden, dürfen seit Sommer nur noch am Wochenende Pariser Luft verpesten.

Geht es nach Elon Musk, sind die Tage der Dreckschleudern angezählt. Seine Teslas sollen die Straßen erobern. Dabei handelt es sich um Kisten mit der gefühlten Beschleunigung einer Rakete. Sehr teuer, für die Billigversion stellen sich 400.000 Leute an. Sollte die Rechnung nicht aufgehen, hat Musk schon einen Plan b: Er fliegt zum Mars. Oder schickt ein paar Freiwillige für einen Unkostenbeitrag von ein paar Hunderttausend Dollar hin. Fragt sich nur, wer in eine eiskalte Gegend will, in der Sandstürme das einzige Unterhaltungsprogramm sind. Ich wette, Musk war als Kind ein Raumschiff-Enterprise-Fan – und hat noch heute Mr.-Spock-Ohren daheim.

( kurier.at ) Erstellt am 28.11.2016