Meinung | Kolumnen | fabelhafte WELT
20.01.2018

Mysterium vom Magen-Aua

Wer hat Schuld an meiner Gastritis? Die neue Regierung, die Weihnachtsvöllerei, der Liebste?

Auch Lebensgefährte Dottore Amore stand unter Verdacht

Vea Kaiser | über Sherlock Vea und Dr. Zwetschge

Sherlock Vea und Dr. Zwetschge haben das erste Mysterium des Jahres gelöst: Woher kam diese hartnäckige Gastritis, die mich seit Wochen zu einem gammelnden Häufchen Elend machte? Bisher war ich in dieser Hinsicht unbescholten. Zeugen aus dem engeren Umfeld hatten den Verdacht geäußert, jenes Leiden sei ein Resultat der niederösterreichischen Weihnachtsvöllerei. Hinsichtlich des Tatzeitpunktes kam allerdings auch in Frage, dass der Magen aufgrund der blauen Regierungsbeteiligung schmerze. Diese kann bekanntlich Übelkeit und Erbrechen auslösen. Das Selbst-Verhör wiederum ließ vermuten, dass jenes Magen-Aua psychosomatisch bedingt sei, als Folge einer akuten Deadlineophobie, denn der neue Roman ist bald fällig. Da bei Gewaltverbrechen allerdings der Schuldige meist im amourösen Umfeld zu suchen ist, stand auch der Lebensgefährte Dottore Amore unter Verdacht. Er war es schließlich, der kraft seines Medizinstudiums ein harmloses Bauchzwicken zu einer quälenden Gastritis erklärt und durch Magenspiegelung wie orale Suspensionen zu einem Albtraum gemacht hatte. Bei weiteren Nachforschungen sollte sich jedoch herausstellen, dass die Ursache woanders liegt. Schuld hat – an dieser Stelle – stellen Sie sich bitte einen düsteren, dramatischen Trommelwirbel vor – ganz allein der Fluch der Schriftsteller! Lachen Sie nicht! Jeder Autor fürchtet sich davor, dass das, worüber man schreibt, wahr wird. Ein Kollege, einst überzeugter Ewig-Single, schrieb ein Buch über einen Mann, der plötzlich Vater wird. Zehn Monate später suchte ihn der Storch heim. Eine Kollegin verfasste einen Roman über einen Einbruch, und drei Wochen später war ihre Wohnung leer. Und nun raten Sie, an welcher entzündlichen Magenerkrankung eine der Hauptfiguren meines neuen Romans leidet? Für unsere Leser sind wir Schriftsteller eben bereit, alle Opfer zu bringen.


vea.kaiser@kurier.at