Meinung | Kolumnen | fabelhafte WELT
01.07.2017

Das gelobte Land

Bühende Gärten, schöne Menschen, liebende Eltern - und dann dieses Morden

Es ist fast surreal, wie nahe Harmonie und Brutalität beieinander liegen können.

Vea Kaiser | über Liebe und Hass

Die Reise nach Israel wird sowohl meinen Dottore Amore als auch mich noch lange beschäftigen. Selten trafen wir solch freundliche, kluge und vor allem bildschöne Menschen. Aber wen wundert's? Israel ist so groß wie Niederösterreich, beherbergt jedoch Menschen (bzw. deren Nachfahren) aus fast allen Ländern dieser Welt. Hier hätten wir den Beweis dafür, dass die Durchmischung von Genen eine super Idee ist. Seit wir die goldenen Strände Tel Avivs, das weiße Licht der Sonne und die überall prangend blühenden Gärten sahen, verstehen wir, warum es das gelobte Land heißt.
Doch am meisten beeindruckte uns, wie wundervoll die Menschen zueinander und miteinander waren. (Ausnahme Straßenverkehr. Aber Israel liegt halt im Nahen Osten). Ich glaube, ich sah noch nie solch liebende Eltern, die für ihre Kinder jeden Blödsinn taten, anstatt sie genervt an der Hand hinterherzuziehen, und in allen Restaurants gab es riesige Tische für Partien bis zu zwanzig Menschen, denn die Familie hat den höchsten Stellenwert. Apropos miteinander. In unserem Hotel arbeiteten Juden, Christen und Muslime. Letztere bedienten am Schabbat die Maschinen, erstere übernahmen, weil Ramadan war, die körperlich anstrengenderen Arbeiten. Wow, dachten wir, es geht ja.
Doch dann spazierten wir an unserem letzten Tag in Jerusalem durch das Damaskus-Tor in die Altstadt. Kaum, dass wir drei Straßen weiter waren, wurde die ganze Gegend abgesperrt: Zwei Attentäter hatten das Feuer auf Soldaten eröffnet, ein dritter ein Messer gezückt und auf eine Polizistin eingestochen. Sie war 23 Jahre alt und verstarb im Krankenhaus.
Die Attentäter waren noch jünger. Bis heute fehlen mir dazu die Worte.
Es ist fast surreal, wie nahe Harmonie und Brutalität beieinander liegen können.
Doch leider ist es real, dass sie es tun. Real und deshalb umso furchtbarer.

vea.kaiser@kurier.at