Vea geht auf Weltreise

Raus aus dem Nest: Auch der Bankberater war sofort Feuer und Flamme.
Vea Kaiser

Vea Kaiser

Do more of what makes you happy

von Vea Kaiser

über das Reisen um die Welt

Gegenüber meiner Wohnung liegt ein Möbelgeschäft. Wie die meisten Möbelgeschäfte hat auch dieses zum kleineren Teil Möbel im Sortiment und zum größeren Teil Dekorationsartikel. Also Sachen, die man eigentlich nicht braucht, von denen man aber dennoch meint, sie könnten das Leben schöner machen. (Und die der Putzfrau eine Extrastunde Abstauben bescheren.) In letzter Zeit sehr beliebt: Gegenstände mit Sprüchen. Home is where your heart is auf dem Polster, Follow your dream auf der Garderobenleiste. Ich bin ja kein Fan davon, sich von in China hergestellten Massenprodukten daran erinnern zu lassen, was im eigenen Leben zählt. Noch dazu in oft fehlerhaftem Englisch, als ob diese Sprache die Weisheit gefressen hätte. Seit einiger Zeit hängt ein gelber Klovorleger in der Auslage: Do more of what makes you happy. (Mache mehr, was dich glücklich macht.) Ich dachte, wer hört schon auf einen Klovorleger, bis mir mein geliebter Dottore Amore eröffnete, eine Weltreise machen zu wollen, bevor er mit der Urologie-Ausbildung fertig ist, und der Ernst des Lebens eines Spatzi-Doktors beginnt. Das ist wahrscheinlich das süditalienische Seefahrer-Gen in ihm. Ich hingegen stamme von niederösterreichischen Bauern ab. Ich wollte nie eine Weltreise machen. Weltreise klingt nach ungewaschener Wäsche, Insekten und Verdauungsproblemen. Aber was macht happy? Mich: einen neuen Roman zu schreiben. Den Dottore Amore: die Welt zu sehen. Uns beide: miteinander zu sein. Und da sich das tatsächlich verbinden lässt, erzählte ich meinem Bankberater von der Idee. Der war sofort Feuer und Flamme – er sagte, angesichts der derzeitigen Zinslage könne man mit Erspartem wahrlich nichts Besseres machen, als es für ein Abenteuer zu verpulvern. Und wenn sich ein Bankberater und ein Klovorleger einig sind, dann sollte man wahrscheinlich das Land verlassen.

vea.kaiser@kurier.at

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