Meinung | Kolumnen | fabelhafte WELT
22.04.2017

Wer war das?

Mein Vater als Osterhasenstellvertreter.

Seit Ostern bin ich also kriminalistisch tätig, werte Spuren aus, stelle Fallen auf.

Vea Kaiser | über ein ungelöstes Osterrätsel

Früher endete unsere Osternesterlsuche häufig in Tränen, denn unser Vaterherz wollte offenbar als Meister des Versteckens in die Geschichtsbücher eingehen. Wenn mein Bruder und ich die Osternester überhaupt fanden, dann dauerte es meist so lange, dass die Witterung die Schokolade hatte ungustiös werden lassen, die gefärbten Eier ihre Farbe einbüßten oder wir uns verkühlten, die Hände aufschürften, das schöne Feiertagsgewand kaputt machten und dann zu allem Unbill auch noch Schimpfen von der Mutter kassierten.
Der Höhepunkt in der Karriere unseres Vaters als Osterhasenstellvertreter war wohl, als er die Nesterln im Hasenstall unseres Monster-Zwergkaninchens versteckte, welches natürlich, bis wir dieses geniale Versteck gefunden hatten, bereits sämtliche Schokolade samt Verpackung gefressen hatte. (Woraufhin wir Kinder wochenlang um seine Gesundheit zitterten, doch das Monster-Zwergkaninchen lebte putzmunter viele Jahre weiter. Einzig seine Bemmerln funkelten noch sehr lange silbern). Seither bestehen mein Bruder und ich darauf, dass Osternester übergeben, aber keinesfalls versteckt werden. So stand auch heuer mein Osternest auf dem Wohnzimmertisch, wurde bewundert und bestaunt – doch am nächsten Morgen war es völlig zerstört. Jemand hatte das Zellophan, mit dem es umgeben war, wild zerfetzt, zwei Schokoladenosterhasen geköpft und überhaupt waren Striezel wie sonstige Süßigkeiten zwar nicht aufgegessen, allerdings zu Bröseln zerstaubt. Fragt sich nur: Wer macht sowas? Ein Einbrecher? Eine Maus? Eine Ratte? Mein Hund Zwetschge? Seit Ostern bin ich also kriminalistisch tätig, werte Spuren aus, stelle Fallen auf und überwache penibel Zwetschges Ausscheidungen. Noch ist das Rätsel ungelöst, aber eines schwör“ ich Ihnen: dieser *piep* Osterhase kann sich seine *piep* Nesterln in Zukunft in den *piep* *piep*.

vea.kaiser@kurier.at