über Ansichten eines Malerfürsten
07/13/2013

Zwischengeschlechtlicher Hochdruck

Die Ehe scheint komplett überschätzt – findet zumindest der Malerfürst.

von Polly Adler

Das Schicksal stand ihm bei und sprengte das Prinzip Maitressen-Marathon dann doch

Polly Adler | über Ansichten eines Malerfürsten

Maitressen-Stau. Der Malerfürst steht unter zwischengeschlechtlichem Hochdruck, rein organisationstechnisch betrachtet. Ansonsten geht es ihm blendend. Der Energie-Level ist hoch, die Bilder purzeln nur so aus ihm heraus, er fühlt sich geliebt. Nein, noch viel besser: begehrt. Denn vier sicher verheiratete Frauen veranstalten in seinem Schlafzimmer einen Staffellauf, ohne dass sie voneinander wissen. „Ehe ist offensichtlich komplett überschätzt“, grinste der Malerfürst zufrieden, der soviel Farbe in die Leben seiner Musen-Mäuse zu bringen scheint. Er schüttelte den Kopf: „Was für ein Geschenk! Alle vier lieben ihre Männer, aber bei mir geht dann eben die Post ab.“Ein Prinzip, das auch seine ökonomischen Vorteile hat: „Man erspart sich diese öden Gemma-schön-essen?-Veranstaltungen, muss nicht Ruderboot fahren gehen, ein paar Champagner-Piccolos im Kühlschrank, Abschminkpads im Allibert und die Sache läuft!“ Stolz zeigte er mir die SMS einer Immobilienhändlerin aus Hietzing, die komplett aus dem Höschen war: „Du Hauptmieter meines Herzens: Ich habe eine affenartige Sehnsucht nach dir; nie wieder sexuelle Bastlerhits, nur mehr dich!“

Solche mehr oder minder poetischen Nachtkritiken häuften sich auf all seinen Kommunikationskanälen. Doch irgendwann kam dann doch Katerstimmung auf: „Ich glaube, ich krieg ein Sexobjekt-Burn-out. Schließlich ist man nicht nur Mann, sondern auch Mensch.“ Das Schicksal stand ihm bei und sprengte das Prinzip Maitressen-Marathon dann doch. Irgendwann stand die Immobilien-Händlerin mit ihrem Köfferchen im Malerfürsten-Atelier und hauchte: „Ich habe meinen Mann verlassen. Jetzt gehöre ich ganz dir!“ Da winkte unser Malerfürst nur erschöpft ab: „Das darfst du mir nicht antun! Realismus ist nämlich so ganz und gar nicht mein Stil!“

www.pollyadler.at

polly. adler[at]kurier.at

Polly Adler spendet in „Adieu Fortpflanz“ Trost und Ratlosigkeit von der Erziehungsfront und erzählt, warum man sein Kind zwar immer liebt, aber manchmal dennoch nicht leiden kann.

240 Seiten, 22,95 Euro bei www.thalia.at

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