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21.12.2012

Die inneren Ponys

Der Fortpflanz geht in die Weihnachtsoffensive, das ausgeschamte Luder!

Polly Adler | über Glitzer-Rentiere und Gnadenfrist

Mir gehen die inneren Ponys durch. Es ist diesmal nämlich so richtig Weihnachten bei uns. Mit Lichterketten, Zimtstangen, Glitzer-Rentieren, bonbonfarbenen Kugeln, Kerzen Geruchsrichtung „Wintermärchen“, Aaron Nevilles Samtoffensive in der Dauerschleife.

Mein persönliches Griechenland, also der Fortpflanz, hat das eingefordert. Sie weiß, dass sie verdammt gute Karten hat. Natürlich besitzt sie keinen Funken Schamgefühl, das hemmungslos auszunutzen. Sie drückt alle Knöpfchen. Hat mir sogar „Pelle zieht aus“, unsere Lieblings-Weihnachtsgeschichte von Astrid Lindgren aus dem Jahre Schnee vorgelesen, das ausgeschamte Luder!

Von der Tragödie im Vorfeld konnte ich hier nicht berichten. Weil entweder habe ich geheult wie eine Jane-Austen-Heroine, der der Gutsbesitzer aus dem Nachbartal abhanden gekommen ist, oder ich habe die Angelegenheit verdrängt. Das Kind wollte ausziehen. Also der Wahrheit halber: Ich habe das Kind im harschen Kommandoton angewiesen, sich vom Acker zu machen. Und zu Recht: Ihre autistische Lieblosigkeit war unerträglich geworden.

In dem Moment, als sie die Sache ernst zu nehmen begann, sich dunkle, kleine Wohnlöcher in der Vorstadt ansah und bei ausbeuterischen Gastrounternehmen niedrige Dienste anbot, realisierte ich, dass sie mir fehlen würde. Ich floh nach Afrika, um mich nicht zum Affen zu machen. Ging knallhart auf Tauchstation. Das Kind schickte Botschaften: „Lebst du noch?“, „Mama ?!?“, „Hallo? Mach’ endlich Meldung – deine größte Enttäuschung!“ Bomben-Strategie!

Seitdem der Fortpflanz gecheckt hat, was einem so zum Überleben im Supermarkt abgenommen wird, schnurrt er wie ein Glöckerl. Und das Muttertier weiß, dass das alles unter Gnadenfrist fällt, aber sich vielleicht genau deswegen so gut anfühlt. Merry Crashmas!