chaos DE LUXE: Spontane Zärtlichkeiten

chaos DE LUXE: Spontane Zärtlichkeiten © Bild: KURIER

Zores mit dem Personal.

Ich stöckle mit M durch Salzburg. Viele geldblonde Weibsbomben mit bretterharten Taft-Frisuren und Geklunker, um dessen Gegenwert wir uns ein Jahr organisch einwandfrei ernähren könnten. Neben denen trippelt meist ein betagter Millionär mit Bandscheibenproblematik, der es mit Ostergras oder Kanalgitter zu Reichtum gebracht hat. Überall geschlauchte Kultur- Reporter, die Künstler-Diven zu domptieren haben, und deswegen abends genauso dringend trinken müssen wie wir. So schnorren wir uns durch das Partygetriebe. Und haben's lustig. Auch ohne Bandscheiben-Millionär. Auf der Toilette einer dieser feschen Ausspeisungen dringt Schluchzen aus einer Kabine. In Auflösung entsteigt ihr eine dieser Weibsbomben mit derangierter Brettfrisur. Ich pflücke ihr ein Konfekt aus meiner Theatertasche. Sie schluckt es und fällt mir weinend um den Hals.

"Schönen Dank für die spontane Zärtlichkeit", hauche ich ihr zu, "aber worum geht's denn bitte genau?" - "Er hat mich verlassen. Einfach so. Gerade eben und noch vor dem Sorbet." - "Vor dem Sorbet ! Unerhört! Die Menschen haben überhaupt keine Manieren mehr!" - "Dabei habe ich ihn ein halbes Jahr lang nach seinem Schlaganfall gepflegt. Ihm das Gesabber vom Mund getupft . . . und, na ja lassen wir das." - "Zeugen des eigenen Niedergangs müssen als erste entsorgt werden." - "Aber dass er jetzt mit seinem Chauffeur . . . " - "Wäre Ihnen ein 20-jähriges Pedikeusen-Luder lieber? So müssen Sie es wenigstens nicht persönlich nehmen." "Doch, muss ich", sagte sie und begann sich wie wild die Nase zu pudern, "die Alterschwulitäten von diesem Pflegefall, der sich mein Ehemann nennt, sind mir ja ehrlich gesagt piepsi- egal. Aber der Chauffeur war eigentlich mein Liebhaber. Und zwar was für einer." Was ich immer sage: Immer nur Zores mit dem Personal.

Buchtipp: "Polly-Klinik" 2011

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Buchtipp: "Nur Idioten sind glücklich"

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Erstellt am 05.12.2011